Artensterben Erste Säugetiere durch Klimawandel ausgerottet

R.I.P. Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte

(Foto: dpa)

Eine winzige Insel in Australien war die Heimat der Mosaikschwanzratte. Den Klimawandel haben sie nicht überlebt, sind sich Experten sicher.

Von Felix Hütten

Der Klimawandel fordert seine ersten Opfer unter den Säugetieren. Die seltene Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte (Melomys rubicola) ist ausgestorben - und Schuld ist nach Überzeugung von Wissenschaftlern der Mensch. Heimat der Tiere war die australische Insel Bramble Cay. Sie ist nur 300 mal 100 Meter groß und liegt am nördlichsten Ende des Great Barrier Reef, des größten Korallenriffs der Welt. "Hauptgrund für das Aussterben sind die hohen Wellen am Strand und die Sturmfluten, die die Insel regelmäßig überschwemmen", sagt Luke Leung von der Universität Queensland. Gemeinsam mit einem Team an Wissenschaftlern hat er das Verschwinden der Tiere untersucht und nun einen Abschlussbericht veröffentlicht.

Durch Erosion sei die Insel deutlich geschrumpft. "Wir haben den Nachweis, dass das Meerwasser die Vegetation zerstört hat, die die Ratte als Nahrung und Zufluchtsort brauchte." Die stärkeren Wellen seien auf den Klimawandel zurückzuführen. Dies sei der erste dokumentierte Fall eines Säugetieres, das aufgrund des vom Menschen verursachten Klimawandels ausgestorben ist, so der Experte.

"Wir sind uns sehr sicher, dass sie ausgestorben ist"

Um herauszufinden, ob wirklich alle Tiere verschwunden sind, stellten die Wissenschaftler 900 Fallen und 60 Kameras auf der Insel auf. Zusätzlich durchstreiften sie täglich für zwei Stunden das Gelände. Ergebnis ihrer Suche: Kein Kot, keine Abdrücke, nichts. Die Ratten sind weg. "Wir sind uns sehr sicher, dass sie ausgestorben ist", sagt Leung. Auch in Zoos oder Zuchtstationen gebe es keine überlebenden Exemplare.

Vielleicht aber ist es noch zu früh, die Tiere weltweit als ausgestorben zu bezeichnen. Denn eine Hoffnung gibt es noch. Möglicherweise war Bramble Cay nie die Heimat der Tiere. Die Ratten wurden erst Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Insel beschrieben. Das nährt den Verdacht, dass sie einst mit Schiffen oder Treibgut auf die Insel kamen. Forscher vermuten, dass weitere Ratten - oder zumindest enge Verwandte der Tiere - am Flussufer des Fly in Papua-Neuguinea leben. Bislang wurde dort noch nicht intensiv gesucht.

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