Artenschutz:Es braucht die Kehrtwende kurz vor dem Abgrund

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Artenschutz: Zwei Hyazinth-Ara-Papageien kuscheln in den vom Menschen bedrohten Regenwäldern Südamerikas.

Zwei Hyazinth-Ara-Papageien kuscheln in den vom Menschen bedrohten Regenwäldern Südamerikas.

(Foto: imago stock&people/imago stock&people)

Um das weltweite Artensterben zu stoppen, sollen 30 Prozent des Planeten bis 2030 unter Schutz gestellt werden. Ambitioniert? Sicher. Notwendig? Auf jeden Fall!

Kommentar von Tina Baier

Für viele klingt es unrealisisch: 30 Prozent der Erde sollen bis zum Jahr 2030 unter Schutz gestellt werden. Für dieses 30-mal-30-Ziel wollen sich Deutschland und die ganze EU auf der Weltnaturkonferenz Ende des Jahres in Montreal einsetzen. Darauf haben sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union in der vergangenen Woche geeinigt.

Zugegeben: Einfach wird es nicht. Momentan stehen weniger als 15 Prozent der Landfläche und nur etwa sieben Prozent der Meere unter Schutz. Doch es ist machbar und vor allem: Es ist wahrscheinlich die letzte Chance, das weltweit tobende Artensterben noch in den Griff zu bekommen, bevor es drastische Auswirkungen auch auf den Menschen hat.

Wenn es nicht gelingt, den Raubbau an Tieren etwa durch Überfischung und die Zerstörung ihrer Lebensräume etwa durch Abholzung von Wäldern innerhalb dieser Dekade zu stoppen, werden viele Arten und Ökosysteme einen point of no return erreichen. Einen Kipppunkt, an dem alles immer schlimmer wird und an dem es nicht mehr möglich ist, den Trend umzukehren - egal was der Mensch dann noch zu retten versucht.

Die Menschheit würde die Katastrophe wohl überleben - die Frage ist nur wie

Die Menschheit würde auch diese Katastrophe wahrscheinlich irgendwie überleben. Und der Natur ist es im Prinzip egal, ob beispielsweise eine Wüste entsteht, wo jetzt Regenwald wächst. Doch das Leben auf einer dann viel unwirtlicheren Erde wird für die Menschen viel schwieriger sein: Sauberes Wasser zum Trinken, genug zu essen und saubere Luft zum Atmen würden für die Mehrheit zum unerreichbaren Luxus.

30 mal 30 kann verhindern, dass es so weit kommt. Schutzgebiete wirken nämlich gleich mehreren Ursachen des Artenschwunds entgegen und bremsen gleichzeitig auch noch den Klimawandel, weil intakte Ökosysteme viel mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre filtern als gestörte.

Und keine Angst: Es ist nicht geplant, 30 Prozent des Planeten mit einem "Betreten verboten"-Schild zu versehen und alle Menschen von dort auszusperren. Die Natur und auch die Lebewesen in vielen Schutzgebieten dürfen durchaus genutzt werden - nur eben so, dass sie dabei nicht zerstört werden.

30 mal 30 ist kein Allheilmittel, doch es könnte für den Artenschutz das werden, was das 1,5 Grad Ziel, das 2015 in Paris beschlossen wurde, für den Klimaschutz war. Eine Kehrtwende kurz vor dem Abgrund.

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