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Artenschutz und Wirtschaft:Wurzeln der Ausbeutung

Biopiraterie - das unrechtmäßige Aneignen von genetischen Ressourcen aus Pflanzen und Tieren aus der Dritten Welt, sollte längst Vergangenheit sein. Doch es ist ein großes Geschäft.

Es klingt nach einer schönen Geschichte: Die Arzneifirma Schwabe aus Karlsruhe beteiligt die Bevölkerung in der Nähe des südafrikanischen Städtchens Alice am Erlös, den sie mit dem Erkältungsmedikament Umckaloabo erzielt.

Geranien Pelargonien

Pelargonien dienen nicht nur als Zierpflanzen. Pelargonium-sidoides-Wurzeln werden für die Herstellung von Arzneimitteln verwendet.

(Foto: dpa/dpaweb)

Den Rohstoff dafür gewinnt das Unternehmen aus Pelargonienwurzeln, die bei Alice wachsen. Seit Generationen trinken die Einheimischen den Wurzelsaft, um Atemwegserkrankungen oder Tuberkulose zu behandeln. Sie sehen es daher als ihr Recht an, dass Schwabe den Gewinn teilt. Denn die Deutschen nutzen das Wissen der Afrikaner. Und tatsächlich bezahlt die Firma.

Die Sache hat nur einen Haken: Wie viel Schwabe abgibt, ist unbekannt. "Die Verträge sind geheim", sagt eine Firmensprecherin. Bekannt ist dagegen, dass Schwabe allein in Deutschland mit Umckaloabo einen Umsatz von 40 Millionen Euro erzielt und das Medikament in insgesamt 40 Ländern vertreibt.

"Wir brauchen Transparenz bei solchen Verträgen", fordert Michael Frein, Umweltexperte beim Evangelischen Entwicklungsdienst. Es müsse sichergestellt werden, dass Unternehmen aus Industrieländern mit ihren gewieften Anwälten die Bevölkerung in armen Ländern nicht übervorteilten. Deshalb dringen die Entwicklungsländer nun auf ein verbindliches Abkommen, das auf der Konferenz in Nagoya verabschiedet werden soll.

Biopiraterie, das unrechtmäßige Aneignen von genetischen Ressourcen aus Pflanzen und Tieren, sollte längst Vergangenheit sein. Denn 1992, beim Umweltgipfel in Rio de Janeiro, verabschiedete die Staatengemeinschaft parallel zum Klimaabkommen die Biodiversitätskonvention.

Sie trat 1993 in Kraft und schreibt vor, dass Firmen aus Industriestaaten die Entwicklungsländer um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie Pflanzen, Tiere oder das traditionelle Wissen darüber nutzen wollen. Und sie müssen die lokale Bevölkerung dafür bezahlen. Würden sich alle an das Abkommen halten, könnten die armen Länder jährlich Einnahmen von 14 Milliarden Euro bekommen, sagt Umweltexperte Frein.

Bisher drücken sich aber die Industrieländer um die Abmachung. Die USA sind der Konvention gar nicht beigetreten, vor allem auf Druck der Pharmalobby, wie Verhandlungsteilnehmer erzählen. Konzerne oder Forschungsinstitute verwenden immer wieder biologische Rohstoffe aus armen Ländern und nutzen Schlupflöcher, um eine faire Bezahlung zu umgehen.

Die Schweizer Menschenrechtsorganisation "Erklärung von Bern" wirft zum Beispiel Nestlé vor, Patente für die Forschung mit Rooibos aus Südafrika angemeldet zu haben, ohne mit den Afrikanern Verträge über eine Gewinnbeteiligung geschlossen zu haben. Der Nahrungsmittel- und Kosmetikkonzern entgegnet, er verwende das Patent noch gar nicht kommerziell. Auch die Firma Schwabe hatte Patente auf die Verarbeitung der Pelargonien gehalten, auf Druck von Nichtregierungsorganisationen gab sie einige wieder zurück.

Ziemlich verärgert waren die Entwicklungsländer auch darüber, wie die Staatengemeinschaft mit dem Vogelgrippevirus umging, vor dem sich auch die reichen Länder fürchteten. Indonesien hatte ihn der Weltgesundheitsorganisation zur Verfügung gestellt. Westliche Firmen entwickelten einen Impfstoff - der war dann zu teuer für Indonesien. So etwas wollen die armen Staaten nicht mehr erleben. An der Frage, wie mit Krankheitserregern umgegangen werden soll, könnte deshalb das gesamte Abkommen zum Artenschutz scheitern.

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