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Artenschutz:Mit Jackie Chan gegen Tigerknochen-Spekulanten

Elfenbein, Rhinozeroshorn, Tigerpenisse, Haifischflossen, Schlangen: Der ausufernde Handel mit Tierprodukten droht immer mehr Arten auszurotten. Nun konzentrieren sich Tierschützer nicht mehr nur auf Wilderer, Schmuggler und Schwarzhändler, sondern appellieren an die Verbraucher in Asien. Denn die Kunden wissen oft gar nicht, unter welchen Umständen die Luxusgüter gewonnen werden.

Ein "Tip-off", ein Hinweis gegen bares Geld, hatte die Zollbeamten auf die Spur gebracht. 1,4 Tonnen Elfenbein konfiszierten sie vergangenen Dezember im malaysischen Hafen Port Klang. Schwarzmarktwert der Ware: rund 1,6 Millionen Euro. Etwa 150 Elefanten hatten dafür in Afrika sterben müssen. "Die Ladung war für Kambodscha bestimmt", sagt Richard Thomas von der internationalen Artenschutzorganisation Traffic. "Dort sollte das Elfenbein auf Lkws umgeladen und von Kambodscha über Laos zur südchinesischen Provinz Yunnan transportiert werden."

Tiger skins are laid on the floor after they were seized in Kota Star

Ein seltener Fall: Händler von Tigerfellen sind den Behörden ins Netz gegangen.

(Foto: REUTERS)

Der Grenzübergang Botene zwischen Laos und China gilt seit jeher als Hotspot für dreisten Tierschmuggel aller Art. Entlang der staubigen Nationalstraße 13 bieten Händler Kleideraffen, Kragenbären und andere gefährdete Arten, gepfercht in enge Käfige, unverhohlen zum Kauf und zur Mitnahme in die Volksrepublik an.

Seit Jahrzehnten bekämpfen Regierungen und Nichtregierungsorganisationen weltweit den Handel mit Produkten von gefährdeten Arten. Doch ein nachhaltiger Erfolg ist bisher ausgeblieben. Zwar konnten Fahnder kürzlich mehrere Rhinozeroshorn-Schmuggler in vier amerikanischen Bundesstaaten verhaften und dabei unter anderem Gold im Wert von einer Million Dollar beschlagnahmen. Doch derartige Aktionen sind eher Einzelfälle. Ohne bar bezahlte Hinweise könnten die Behörden vermutlich kaum je irgendeinen Stoßzahn beschlagnahmen. Und die Lage verschärft sich dramatisch. Vor allem in China steigt die Nachfrage rasant - nach Elfenbein, Rhinozeroshorn und Tigerknochen.

Für afrikanische Elefanten war 2011 sogar eines der tragischsten Jahre seitdem - absurder geht es kaum - 1989 das internationale Handelsverbot für Elfenbein in Kraft getreten ist. Laut Traffic wurden im vergangenen Jahr allein bei den 13 größeren Beschlagnahmungen mehr als 23 Tonnen konfisziert. Experten schätzen, dass die Gesamtmenge am Ende bei 30 Tonnen liegen dürfte. Das entspräche mehr als 3200 getöteten Dickhäutern. Und wenn man davon ausgeht, dass nur jede zehnte illegale Lieferung abgefangen wird, kommt man auf die Horrorzahl von 32.000 getöteten Tieren in einem Jahr.

Zahlen wie diese sind es, die Aktivisten zu neuen Strategien im Kampf gegen den illegalen Handel bewegen. Zu lange habe man sich nur auf Wilderer, Schmuggler und Schwarzhändler konzentriert, sagt Grace Ge Gabriel, Leiterin des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) in Asien. Nun versuchen die Tierschützer, auch das Verhalten der Verbraucher zu beeinflussen. Das ist keine leichte Aufgabe in einem Land wie China, wo es laut IFAW "um Tierschutz generell ziemlich schlecht bestellt ist".

Wer illegal mit Elfenbein, Horn und ähnlichen Produkten handelt, kann hingegen mit einem äußerst einträglichen Geschäft rechnen. "Ein Schwarzmarkthändler in China offenbarte uns, dass sich das Geschäft mit Elfenbein für ihn selbst dann noch lohnen würde, wenn nur eine von zehn Schiffsladungen durchkäme", berichtet Mary Rice, Chefin der Environmental Investigation Agency (EIA) in London. Tatsächlich aber verhält es sich genau umgekehrt. Zollbehörden in Ost- und Südostasien fangen nur etwa jede zehnte illegale Lieferung ab. Somit schaffen es fast alle geschmuggelten Stoßzähne, an denen nicht selten noch das getrocknete Blut der abgeschlachteten afrikanischen Elefanten klebt, auf den chinesischen Markt und werden dort zu Preisen gehandelt, die sich laut Rice seit 2005 mehr als verzehnfacht haben.

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