Artenschutz Machtlos gegen Gier, Gauner und das große Geld

Mit Elfenbein lassen sich immense Gewinne erzielen, etwa im Südsudan.

(Foto: Brent Stirton/dpa)

Die Organisierte Kriminalität verschiebt weltweit Elfenbein, Nashornpulver und andere Schätze der Natur. Der Ausverkauf bedrohter Arten hat erst begonnen.

Von Michael Bauchmüller

Dem Aasgeier geht es schlecht, richtig schlecht. Binnen drei Geier-Generationen, so fanden Forscher der Universität York heraus, schrumpfte ihr Bestand in Afrikas Savannen um 80 Prozent, mancherorts verschwanden die Aasfresser ganz. Die meisten wurden vergiftet. Sie störten bei der Arbeit.

Einem Elefanten die Stoßzähne herauszuhacken, ist eine mühselige, blutige, eine brachiale Angelegenheit. Die Wilderer klettern auf das tote Tier, mit der Axt hacken sie den Kiefer auf. Sie zertrümmern so lange die umliegenden Knochen, bis sich der Stoßzahn endlich lockert. Was das mit Aasgeiern zu tun hat? Sie verraten die Wilderer, rufen Ranger auf den Plan - denn in der Zwischenzeit haben die Geier längst begonnen, über dem Kadaver zu kreisen. Deshalb müssen sie sterben. Die Wilderer legen Kadaver aus, vergiftet mit Cyanid. Daran verenden die Geier. So geht es zu im Geschäft mit den Schätzen der Natur.

An diesem Wochenende beginnt in Johannesburg die 17. Konferenz des Washingtoner Artenschutz-Abkommens, eine Versammlung der Machtlosen. Das sogenannte Cites-Abkommen soll den illegalen Handel mit bedrohten Arten unterbinden. Doch stattdessen regieren Gier, Gauner und das große Geld. Und Prestige, Aberglaube und Sammelwut machen schon Erreichtes wieder zunichte. Experten sprechen mittlerweile von einer Wildereikrise, wie es sie seit Jahrzehnten nicht gegeben hat, allen internationalen Anstrengungen und Exportverboten zum Trotz. Wie konnte das passieren?

Östlicher Gorilla ist vom Aussterben bedroht

Nicht einmal mehr 5000 Tiere der Menschenaffen-Art leben in freier Wildbahn. Der Bestand der Riesenpandas hat sich hingegen erfreulich entwickelt. mehr ...

Der Elefant ist vielleicht das prominenteste, aber längst nicht das einzige Opfer. Auch das Schuppentier muss dran glauben. Acht verschiedene Arten sind auf der Welt bekannt, vier in Asien, vier in Afrika. Den Schuppen werden in Ostasien alle möglichen Wirkungen zugetraut. Zwischen 2001 und 2014 wurden von chinesischen Behörden fast 35 000 Kilo Schuppen sichergestellt, das entspricht rund 60 000 toten Schuppentieren. Auch in Deutschland stieß der Zoll binnen drei Jahren auf 700 Kilo der Hornplättchen. Wie viele Schuppen unentdeckt geschmuggelt werden, weiß kein Mensch. Und weil die asiatischen Arten schon so gut wie ausgerottet sind, wächst die Nachfrage nach Tieren aus Afrika. Mittlerweile stehen alle acht Schuppentier-Arten vor dem Aussterben.

Dem Rhinozeros geht es nicht besser. Im vorigen Jahr wurden nach Zählungen von Naturschützern 1342 Nashörner erlegt, so viele wie nie zuvor. Ihr Horn wird pulverisiert, es gilt als leistungssteigernd und soll gegen allerlei Krankheiten helfen. Um an das Horn zu gelangen, greifen Wilderer zur Kettensäge. Dem Totoaba wiederum, einem bis zu zwei Meter langen Fisch, droht seine Schwimmblase zum Verhängnis zu werden, sie gilt in Fernost als Mittel gegen Unfruchtbarkeit. Begehrt sind dort auch Bären, seien es ihre Tatzen oder ihr Fleisch. Geschützt sind sie alle. Geholfen hat das kaum.

Hinter dem tödlichen Boom steht eine neue Mittelschicht vor allem in Asien, die sich auf einem globalen Markt scheinbar grenzenlos versorgen kann. "Das ist ein bisschen wie in Deutschland nach dem Wirtschaftswunder", sagt Franz Böhmer, der sich beim Bundesamt für Naturschutz mit dem illegalen Handel befasst. "Sobald die Familie Geld hatte, bekam die Mama einen Pelzmantel." Der Pelz von einst ist in Fernost das "weiße Gold" Elfenbein oder Rhinopulver. In deutschen Terrarien ist es das besonders seltene Tier: der Leopardgecko aus dem Iran, die Kragenechse aus Australien. Liebhaber finden sie im Internet. Auch geschützte Hölzer wie Palisander, rotes Sandelholz oder madagassisches Ebenholz lassen sich dort bequem erstehen.