Süddeutsche Zeitung

Artenschutz:Der Wolf kommt zurück

Der Bestand der geschützten Tiere wächst. Derzeit leben wahrscheinlich mehr als 100 Wolfsrudel in Deutschland, die meisten davon in Brandenburg. In einigen Bundesländern wurden zudem erstmals seit Langem wieder einzelne Tiere gesichtet.

Durch die deutschen Wälder streifen wieder mehr Wolfsrudel. 105 Gruppen der streng geschützten Tiere wurden im Beobachtungsjahr 2018/19 erfasst, im Jahr davor waren es nur 77. Einem Rudel gehören in der Regel drei bis elf Tiere an: die Eltern und ihre Nachkommen aus den zurückliegenden zwei Jahren. Zusätzlich zu diesen Verbänden wurden zuletzt auch 25 Paare und 13 sesshafte Einzelwölfe registriert, teilten das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf mit. Sie schätzen den Bestand damit auf knapp 300 erwachsene Wölfe.

Die meisten Rudel leben dem Wolfsmonitoring zufolge in Brandenburg (41), gefolgt von Sachsen (22) und Niedersachsen (21). Erstmals seit der Ausrottung der Art in Deutschland seien zudem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein jeweils einzelne ortstreue Wölfe bestätigt worden. Zugleich wurden etwa 60 Prozent mehr tote Wölfe gefunden. 99 Tiere waren es im jüngsten Erfassungszeitraum. Der Großteil kam durch den Straßenverkehr ums Leben. Auch die Zahl illegaler Tötungen sei gestiegen: von sechs auf acht.

"Die Entwicklung der Wolfsbestände ist ein gutes Zeichen", kommentiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Die Art sei in Deutschland allerdings noch immer weit von einem günstigen Erhaltungszustand von 1000 erwachsenen Tieren entfernt. Der Verband verlangt mehr Anstrengungen, um das Miteinander von Mensch und Wolf zu erleichtern. Betroffen von der Rückkehr der Tiere sind vor allem Schäfer. Statt "Meinungsmache zulasten der Wölfe zu betreiben", sollte die Politik die Weidetierhalter bei der Anschaffung von Schutzvorrichtungen unterstützen. Der Deutsche Jagdverband hingegen fordert, die Art ins Jagdrecht aufzunehmen. Der Wolf ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union sowie nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt.

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Quelle:
SZ vom 04.12.2019 / SZ
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