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Artenschutz:Der Schutz fremder Tiere beginnt in Deutschland

Tiger

Tiger Tiger im Ranthambore National Park, Indien

(Foto: AFP)

Das Washingtoner Artenschutzabkommen gilt als eine der besten Waffen im Umweltschutz. Und doch können solche Verträge Raubkatzen und Reptilien nur dann retten, wenn Menschen sie nicht mehr als Trophäe an die Wand hängen. Auch hierzulande.

Schon mal was vom Psychedelischen Gecko gehört? Oder von der Alligator-Baumschleiche? Um das Überleben dieser und vieler anderer Tiere wird gerade auf der Konferenz zum Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) in Johannesburg gefeilscht. Auch wenn man von den meisten Lebewesen, um die es da geht, nicht einmal gewusst hat, dass sie existieren, geschweige denn, dass sie bedroht sind: Es ist wichtig.

Unter anderem, weil es noch um etwas viel Größeres geht, als um den Schutz einzelner Arten. In der Natur hängt oft alles mit allem zusammen: Stirbt eine Spezies aus, kann das zum Zusammenbruch eines ganzen Systems führen. Fast immer ist dann auch der Mensch betroffen. Auch wenn der Zusammenhang nicht immer so direkt ist wie beim Bengalgeier, dessen Bestand in Indien seit Ende der 1980er-Jahre um 99,9 Prozent zurückgegangen ist. Als Folge verschlangen wilde Hunde die Kadaver von Rindern, die zuvor von den Geier entsorgt wurden. Die gefährlichen Tiere vermehrten sich stark und greifen jetzt immer häufiger Menschen an.

Der Afrikanische Elefant steht unter Schutz, dennoch werden jährlich 30 000 gewildert

Nach Ansicht von Umweltschützern ist die Konferenz, die noch bis Mitte der Woche läuft, schon jetzt ein Erfolg: Schuppentiere, die seltsamen Pangoline, wurden von Anhang II auf Anhang I hochgestuft, was bedeutet, dass sie strenger geschützt sind. Dasselbe gilt für Berberaffen. Und ein Antrag, den Schutz für Wanderfalken zu lockern, ist gescheitert.

Doch ob das diese Tiere wirklich rettet? Anders als bei den meisten anderen Umweltabkommen müssen Staaten die gegen Cites verstoßen, wenigstens Sanktionen befürchten. Trotzdem ist es in Wahrheit eine stumpfe Waffe. Das zeigt sich zum Beispiel an den Afrikanischen Elefanten, die seit Jahren durch Cites geschützt sind - zumindest theoretisch. In der Praxis werden jedes Jahr 30 000 wegen ihrer Stoßzähne illegal gewildert, was dazu geführt hat, dass es mit geschätzt 400 000 noch nie so wenige gab wie jetzt. Ähnlich ist es mit den Menschenaffen: Aktuelle Daten, die in Johannesburg vorgestellt wurden, zeigen, dass Orang-Utans, Schimpansen und Gorillas nach wie vor in beträchtlichem Ausmaß gehandelt werden.

Von Europa und Deutschland ist das alles gar nicht so weit weg, wie viele glauben. Zwar werden hier nicht wie in China vom Tigerpenis bis zum Nashornpulver alle möglichen Bestandteile geschützter Tiere zu fragwürdigen Heilmitteln verarbeitet. Dafür blüht der Handel mit seltenen Reptilien für das heimische Terrarium. Und speziell Deutschland ist berüchtigt als eines der Länder, das geschützte Tiere auch gerne tot einführt: als Jagdtrophäe.