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Arktis: Tauender Permafrostboden:"Wie ein Schweizer Käse"

Der Mineraloge Hans-Wolfgang Hubberten warnt vor dem löchrigen Permafrostboden in der Arktis - und spricht über die "Methan-Klimabombe".

Angelika Jung-Hüttl

Hans-Wolfgang Hubberten ist Leiter der Außenstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI). Seit fast 20 Jahren erforscht er die Dauerfrostböden Sibiriens.

Hans-Wolfgang Hubberten

Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten, Leiter der Foschungsstelle Postdam.

(Foto: Alfred-Wegener-Institut)

SZ: Herr Hubberten, welche Rolle spielt der tauende Permafrost in der Arktis für die künftige Klimaentwicklung?

Hubberten: Weltweit sind gut 36 Millionen Quadratkilometer vom Dauerfrost geprägt - das sind etwa 25 Prozent der Landoberfläche auf der Erde, das entspricht einer Fläche, die etwa 100-mal so groß wie Deutschland ist. Auf der nördlichen Hemisphäre sind es etwa 23 Millionen Quadratkilometer. Das ist mehr als die Fläche, die in der Arktis von Gletschern und vom Meereis bedeckt wird. Wenn dieser Boden zunehmend taut, hat das enorme Auswirkungen auf das Land, das Meer und die Atmosphäre.

SZ: Der Meeresspiegel steigt also nicht nur, weil die Gletscher schmelzen?

Hubberten: Der Permafrostboden ist in vielen Landschaften der Arktis sehr eisreich. Das sieht man oft an den Küsten, wo die Wellen des Meeres das Land sozusagen anschneiden. Unter der dünnen Vegetationsdecke ist der gefrorene Untergrund von mächtigen, meterdicken Eiskeilen und Eisschichten durchsetzt. Dieses Eis beginnt zu schmelzen, wenn sich der Boden erwärmt - das führt zu massiven Schäden in den besiedelten Gebieten. Dazu kommt, dass das Tauwasser von den riesigen Flüssen Russlands, Kanadas und Alaskas in den arktischen Ozean transportiert wird. Das könnte bis zum Ende des Jahrhunderts global zu einem zusätzlichen Anstieg des Meeresspiegels von einigen Zentimetern führen. Der Permafrost muss also mit dem gleichen Ernst untersucht werden wie das schmelzende Gletscher- und Meereis.

SZ: Wie tief ist der Untergrund arktischer Böden gefroren?

Hubberten: Das ist unterschiedlich. Am südlichen Rand der Dauerfrostgebiete können es nur wenige Meter sein. Dort ist der Boden auch nicht vollständig durchgefroren, sondern nur in Teilbereichen. Wir sprechen dann vom inselhaften und diskontinuierlichen Permafrost. Weiter nördlich, im kontinuierlichen Permafrost - der macht bei weitem den größten Bereich aus -, ist der Untergrund mehrere hundert Meter tief gefroren, bis zu maximal 1600 Metern in Zentral-Jakutien in Russland. Permafrost haben wir aber auch noch im Boden unter den flachen Meeren vor der Küste Ostsibiriens.

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