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Archäologie:Schnappschüsse des Todes

Die Befeuchtung hatte Mumien oft verrotten lassen und war notwendig gewesen, weil in den Toten zu wenig Wasserstoffatome vorhanden sind, deren Spin im Magnetfeld die MRT-Aufnahmen erzeugt.

Eine der berühmtesten Mumien der Welt steckte hinter dieser Maske: Tutanchamun. Rühli entdeckte bei dem Pharao einen gebrochenen Oberschenkelknochen.

(Foto: Foto: Reuters)

Durch extrem kurze Anregungszeiten des Magnetfelds gelangen den Forschern Aufnahmen ganz ohne Feuchtigkeit - eine ideale Möglichkeit, um wichtige Mumien wie jene von Zanjan zu untersuchen und prominente Tote wie Ötzi neu zu analysieren.

Rühli zeigt eine Aufnahme der Bandscheibe einer peruanischen Mumie. Könnte man da einen Bandscheibenvorfall diagnostizieren? "Ja, klar", sagt Rühli. Denn auch Knorpel- und Weichteilschäden zeigt die neue Technik sowie Risse, Tumore oder eventuell Parasiten im Muskelgewebe.

Feinere Strukturen als ein Sehnerv identifizierbar

Einst brauchten die Paläopathologen gute Knochen, gut erhaltene Mumien, nun werden hochaufgelöste MRT- und CT-Datensätze zu ihren wahren Schätzen. Und so stehen in Rühlis Büro in Zürich auch keine fossilen Überreste in Vitrinen, sondern mehr als hundert Daten-CDs. Darauf sind anatomische Details berühmter Mumien gespeichert, wie man sie bislang kaum gesehen hat. Die Auflösung der besten Tomografen liegt bei einem Tausendstel Millimeter, das erlaubt es, sogar noch feinere Strukturen als den Sehnerv zu identifizieren.

Auf diese Weise werden der tote Pharaonenkörper oder der Mann aus dem Eis wieder dreidimensional zum Leben erweckt. Auf dem Computerschirm verfolgen Forscher die fein verästelten Adern, sehen Muskelstränge und Hautschichten, erkennen sogar den Mageninhalt: Eine Olive als letztes Essen auszumachen, ist für die Forscher kein Problem. Je besser die Auflösung der Hightech-Geräte wird, desto tiefer dringen die Paläopathologen in die Mumienkörper ein. Es ist, als kämen sie Schicht für Schicht der Wahrheit näher. Je genauer die Apparate, desto weniger müssen die Forscher spekulieren.

Wobei auch Frank Rühli nicht ganz ohne die schillernden Geschichten um den Iceman und den Tod von Tutanchamun auskommen will.

"Wie ein Patient mit einer Geschichte"

"Am faszinierendsten und traurigsten finde ich, wie ein junger Mann inmitten von so viel Gold und Reichtum ein so unglückliches Leben führen konnte." Es scheint, als bräuchten auch Mumien einen persönlichen Zugang. "Ich behandle jede Mumie wie einen Patienten mit einer Geschichte", sagt Rühli.

Um diese Geschichte zu finden, ist in den Fundländern jedoch nicht immer die nötige Technik vorhanden. So auch nicht in Zanjan, wie Rühli sagt. Die Qualität der Scanner dort reiche nicht aus. Aber der Schweizer Pathologe hat auch hier schon einen Schritt weitergedacht. "Wir könnten einen mobilen CT-Scanner von Siemens in die Türkei fliegen, von der Grenze bis Zanjan sind es nur noch 150 Kilometer."

Dass er dabei schnell handeln muss, ist Rühli klar. Denn bisweilen balgen sich mehrere Forscher um die spannendsten Funde. "Das hat auch etwas von Beuteverteilen", sagt Rühli. Im Iran beispielsweise war der renommierte, britische Paläobiologe Don Brothwell von der York University dabei. Er darf den Mageninhalt der Salzmumien untersuchen. Doch auch Frank Rühli ist mittlerweile international in einer guten Lage.

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