Künstler der Steinzeit Weit entwickeltes Bewusstsein

Als Beleg für die Fähigkeiten und das weit entwickelte Bewusstsein der Bewohner der Blombos-Höhle führt er den möglicherweise symbolischen Einsatz des Ockers an. Henshilwood vermutet, dass der frühe Homo sapiens mit dem rötlichen Pulver seine Haut schützte und seinen Körper oder Gegenstände bemalt haben könnte. Damit wären die Wurzeln für ein elementares Kunstverständnis vor mindestens 100.000 Jahren in Südafrika zu suchen.

Eine mit einer Ocker-Mischung gefüllte Schneckenschale - Teil eines uralten Kunstateliers?

(Foto: Henshilwood)

In jedem Fall waren gefärbte Objekte wie die Muschelketten in der Menschheitsgeschichte wichtig, um soziale Kontakte zu pflegen. Für diese bestehenden Verbindungen haben die Menschen sichtbare Zeichen entwickelt - eine ganz ungewöhnliche, fundamentale geistige Leistung.

Ob es sich um frühe Formen künstlerischen Ausdrucks handelt, ist unter Forschern allerdings umstritten. Der Urgeschichtler Nicholas Conard von der Universität Tübingen etwa stuft den Komplexitätsgrad dieser möglichen frühen Kunstexperimente als gering ein.

So muss die Frage offenbleiben, ob in der Blombos-Höhle tatsächlich vor 100.000 Jahren ein Kunststudio mit Meerblick angesiedelt war oder nur eine einfache Produktionswerkstätte für Farbpigmente. Was schon erstaunlich genug wäre.

Von Hubert Filser ist gerade das Buch erschienen Das erste Mal - eine Suche nach den Spuren des ersten Werkzeugs, der ersten Musik, der ersten Künstler und anderer Premieren in der Geschichte des Menschen.

Ullstein Verlag, Gebunden, 336 Seiten, € 18,00, ISBN-10: 3550088221, ISBN-13: 9783550088223