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Archäologie:Hat ein Deutscher Machu Picchu entdeckt?

Historiker aus den USA und Peru gehen davon aus, dass die historische Stätte der Inkas bereits 1867 von einem deutschen Unternehmer entdeckt und ausgeplündert wurde.

Hat ein Deutscher die berühmten Inka-Bauten von Machu Picchu bereits etliche Jahre vor dem US-Archäologen Hiram Bingham entdeckt - und geplündert? Das jedenfalls behaupten der US-Historiker Paolo Greer und sein peruanischer Kollege Carlos Carcelén.

Schon 1867 entdeckt? Die Inka-Ruine Machu Picchu.

(Foto: Foto: AFP)

Den Wissenschaftlern zufolge war es ein Mann namens Augusto Berns, der die vergessene und von Wald bedeckte Stätte schon 1867 entdeckt hat. Bingham dagegen stieß erst 1911 auf die mutmaßliche Kultstätte in den peruanischen Anden in 2400 Metern Höhe.

Greer, der auf eigene Faust seit dreißig Jahren Archive in den USA und Peru durchstöbert hat, war bereits vor Jahren auf Dokumente gestoßen, die seine Behauptung untermauern sollen. Einer Meldung der Nachrichtengentur AFP zufolge haben sich Carcelén und andere Forscher des Französischen Instituts für Andenstudien (IFEA) in Lima nun Greers Überzeugung angeschlossen.

Plünderung mit dem Segen der Regierung

Bereits 1978 hatte Greer eine Karte entdeckt, die auf die Aktivitäten des Unternehmers Berns hinwies. Daraufhin hatte der Amerikaner in der Nationalbibliothek Perus nach weiteren Hinweisen auf den Deutschen gesucht und war fündig geworden. Dabei stieß er unter anderem auch auf das Buch eines deutschen Geologen, Herman Göhring, aus dem Jahre 1877, in dem eine bereits drei Jahre ältere Karte abgedruckt ist - und auf dieser sind sowohl Machu Picchu als auch Huaina Picchu, der Berggipfel, in dessen Schatten der Ort liegt, eingezeichnet. Göhring, so Greer, war ein Geschäftspartner von Berns.

Weiteren Unterlagen zufolge soll Berns 1867 die historische Stätte entdeckt haben, als er Holz für den Eisenbahnbau fällen lies. Er selbst schrieb vom "Schatz der Inkas", und unterirdischen Strukturen, die "ohne Zweifel Objekte von großem Wert enthalten".

Wie Greer den Dokumenten entnommen haben will, hatte die anschließende Plünderung von Machu Picchu sogar den Segen des peruanischen Präsidenten. Anschließend verkaufte der Unternehmer die Inka-Schätze in alle Welt - und die Regierung in Lima war damit einverstanden, da sie am Gewinn beteiligt war.

"Leider haben wir festgestellt, dass es eine große Plünderung von Gegenständen aus Gold gab, die später an europäische Museen und Universitäten verkauft wurden", bestätigte jetzt Carlos Carcelén die Erkenntnisse Greers.

"Eine plausible Theorie"

David Ugarte Vega von der Universidad Nacional San Antonio Abad del Cusco in der alten Inka-Hauptstadt Cuzco erklärte der Nachrichtenagentur AP, dass Greers Theorie plausibel sei. "Eine Menge deutet darauf hin, dass vor Bingham etliche ausländische Forscher bereits dort waren", so der Machu-Picchu-Experte. "Aber es muss noch weitergeforscht werden."

Unterstützung erhält Greer von Alex Chepstow-Lusty, einem britischen Wissenschaftler in Cuzco, der die Arbeit des Amerikaners geprüft hat. Was Bingham zur Universität von Yale geschafft hatte, war seiner Einschätzung nach "das, was übrig geblieben ist".

Auch bei diesen Resten handelte es sich allerdings um einen umfangreichen Schatz, den die peruanische Regierung vergangenes Jahr zurückgefordert hat. Tatsächlich will Yale etwa 4000 Stücke aus Machu Picchu zurückgeben. Angesichts dieser Zahl kann man sich vorstellen, dass die Schätze, die Berns entdeckt und zu Geld gemacht haben soll, riesig gewesen müssen.

Greer hat inzwischend eine internationale Suche nach dem Schatz initiiert, berichtet die britische Zeitung Independent. Eigenen Angaben zufolge ist er auf eine Liste mit 57 internationalen möglichen Kontakten des deutschen Unternehmers gestoßen, die Teile des Fundes erworben haben könnten. Entdeckt wurde bislang allerdings noch kein einziges Stück. Greer, der seine Erkenntnisse demnächst im Magazin South American Explorer veröffentlicht, hofft nun, dass man einige Bestandteile des Schatzes in privaten Sammlungen in den USA und Europa finden könnte.

© sueddeutsche.de/mcs/AP/AFP
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