bedeckt München 23°

Archäologie:Glas aus Afrika

In Afrika wurde schon deutlich früher Glas hergestellt als bisher vermutet

(Foto: Abidemi Babatunde Babalola)

Ausgrabungen in Nigeria zeigen, dass Afrikaner bereits im 11. Jahrhundert Glas herstellten - lange vor Ankunft der Europäer.

Von Christian Weber

Archäologen haben die ersten Belege dafür gefunden, dass auch im Afrika südlich der Sahara bereits vor Ankunft der Europäer Glas produziert wurde. Das internationale Team um Abidemi Babatunde Babalola von der amerikanischen Rice University folgert dies aus chemischen Analysen von Glasfunden in der Ausgrabungsstätte Igbo Olokun nahe der Stadt Ile-Ife im südwestlichen Nigeria, bekannt als die heilige Stadt der Yoruba.

Der Ort gilt schon lange als ein Zentrum der Glasverarbeitung. Bereits der deutsche Ethnologe Leo Frobenius berichtete 1913 von glasverkrusteten Tiegeln, die er dort bei Ausgrabungen in Schachtgruben gefunden hatte. Die ältesten in Mali und Niger gefundenen Glasperlen sollen sogar aus den letzten vorchristlichen Jahrhunderten stammen. Allerdings zeigten alle bislang gefundenen Glasfragmente aus der Zeit vor dem 15. Jahrhundert chemische Signaturen, die auf bekannte historische Produktionsorte im östlichen Mittelmeergebiet, den Nahen Osten, Indien oder sogar Ostasien hindeuten. Forscher vermuteten bislang, dass auch in Nigeria solche importierten Glaswaren lediglich geschmolzen und umgearbeitet wurden.

Das haben die neuen Funde nun widerlegt. Die Wissenschaftler um Babalola haben in Igbo Olokun insgesamt 12 000 Perlen sowie mehre Kilogramm Glasabfall ausgegraben. Im Labor bestimmten sie das Alter und die chemische Zusammensetzung von 52 Perlen. Dabei fanden sich unter anderem besonders hohe Anteile von Kalk und Tonerde, die exakt zur lokalen Geologie und Rohstofflage passen und in keiner anderen bekannten Glas-Produktionsstätte gefunden wurden. Die Forscher schließen daraus, dass in Igbo Olokun bereits zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert Glas hergestellt wurde, also lange vor der Ankunft der ersten Europäer an der Westküste Afrikas.

© SZ vom 23.01.2018

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite