Archäologie Dr.med.dent.Feuerstein

Auch früher wurden Zähne nicht gleich gezogen: In Pakistan sind 9000 Jahre alte Zähne entdeckt worden, an denen gebohrt und zahntechnische Behandlungen vorgenommen worden.

Von Hubert Filser

Es waren zunächst einfach nur elf Zähne, Funde aus der Siedlung Mehrgarh im heutigen Pakistan. Der Ort in Belutschistan westlich des Indus-Tals ist Fachleuten bekannt, weil dort die erste und somit wohl älteste Ackerbauer-Siedlung Südasiens lag.

Wer Angst vorm Zahnarzt hat, sollte sich keinen Steinbohrer vorstellen.

(Foto: Foto: ddp)

Dann entdeckte Roberto Macchiarelli kleine Löcher in den Zähnen mit einem Durchmesser von bis zu drei Millimetern, zwischen einem halben und dreieinhalb Millimeter tief. Da hatte jemand gebohrt, die Löcher waren nicht zufällig geformt, sondern etwa konisch oder zylindrisch. Und Macchiarelli entdeckte, dass die Bohrungen wohl von Werkzeugen stammen mussten, von kleinen Bohrern aus Feuerstein. Kauspuren an den Löchern zeigen zudem, dass bei lebenden Personen gebohrt worden war.

Der italienische Paläoanthropologe war den ältesten Zahnärzten auf der Spur, denn die elf Backenzähne von neun Erwachsenen aus dem Friedhof von Mehrgarh sind zwischen 7500 und 9000 Jahre alt (Nature, Bd. 440, S.755, 2006).

1500 Jahre gebohrt

Offenbar ist also mindestens über eine Zeitspanne von 1500 Jahren gebohrt und zahntechnisch behandelt worden in Mehrgarh. Dies deute auf eine bewusste Tradition und keine Zufallstechnik hin. Dafür spricht auch, dass die Menschen auch in anderen Bereichen fortschrittlich waren, sie bauten Gerste und Weizen an, auch viel Schmucksteine und Ketten waren bei den Ausgrabungen gefunden worden.

Und ausgerechnet Ketten mit Perlen aus Knochen, Muscheln oder Lapislazuli brachten die Forscher um Macchiarelli von der Universität Poitiers auf ihre Idee: "Wahrscheinlich stammte das Know-how von geschickten Kunsthandwerkern dieser Zeit, welche die Technik zur Herstellung von Perlenketten entwickelt hatten und erfolgreich auf das Bohren von Zähnen übertragen hatten", schreiben die Forscher.

Die Forscher bauten die alten Bohrer nach und stellten fest, dass es mit einer Bohrspitze aus Feuerstein weniger als eine Minute dauerte, im Zahnschmelz ähnliche Löcher zu erzeugen wie die, die sie in den neolithischen Funden entdeckt hatten.

In jedem Fall haben die ersten Zahnärzte wohl keine allzu schlechte Arbeit geleistet, denn zwei ihrer Kunden kamen offensichtlich wieder: Einer der Erwachsenen hatte drei Löcher, bei einem wurde ein Zahn gleich zweimal behandelt, und bei einem dritten war ein Loch sogar verfüllt worden.