Archäologie - Bremen:Archäologen suchen vergessene Gräber sowjetischer Soldaten

Archäologie
Archäologin Uta Halle (l) zeigt auf einen Pfosten, der die Ecke eines alten Friedhofs markieren könnte. Foto: Friedemann Kohler/dpa (Foto: dpa)

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Bremen (dpa/lni) - Auf dem Gelände für eine neue Bahnwerkstatt in Bremen suchen Archäologen nach möglicherweise vergessenen Gräbern sowjetischer Kriegsgefangener. Es gehe um Voruntersuchungen, bevor die eigentliche Ausgrabung auf der etwa 3500 Quadratmeter großen Fläche beginne, sagte die Landesarchäologin Uta Halle am Dienstag.

Erste Funde von militärischem Stacheldraht deuteten auf den Friedhof für sowjetische Soldaten und Zwangsarbeiter hin. Sie waren zwischen 1941 bis 1945 an einem Bahndamm im Stadtteil Oslebshausen bestattet worden. Auch ein möglicher Eckpfosten des Zauns um den Friedhof sei aufgetaucht. Zunächst hatte ein Bagger eine etwa zwei Meter dicke Schicht aus Schutt und aufgespültem Sand entfernt. Seitdem graben die Archäologen von Hand weiter.

Die Stadt Bremen hat die derzeitige Gewerbefläche dem Bahnunternehmen Alstom für eine neue Bahnwerkstatt für Regionalzüge angeboten. Die Züge sollen den Personennahverkehr in Niedersachsen verstärken. Eine örtliche Bürgerinitiative und Friedensaktivisten schlugen indes Alarm: Im Boden gebe es möglicherweise vergessene Gräber aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Planungen für die Werkstatt werden nach Angaben des zuständigen Häfenressorts zwar weiter verfolgt. Ob die Anlage dort gebaut werde, hänge aber vom Ergebnis der Grabungen ab.

Ein Jahr nach dem Krieg 1946 habe die Bremer Polizei etwa 750 Gräber auf dem Friedhof erfasst, berichtete Konrad Elmshäuser, Leiter des Staatsarchivs im kleinsten Bundesland. 217 Tote seien namentlich bekannt gewesen. Danach sei das Gelände mit Sand überspült worden. 1948 seien 446 Tote exhumiert und namenlos in einem Massengrab auf dem Bremer Friedhof für Kriegsopfer in Osterholz beigesetzt worden.

Ob das Bahngelände völkerrechtlich als Kriegsgräberstätte geschützt sei, werde derzeit geprüft, sagte Elmshäuser. Aber eigentlich sei Osterholz von allen beteiligten Staaten als zentraler Friedhof in Bremen anerkannt worden. Wenn bei der Ausgrabung sterbliche Überreste gefunden werden, werde man versuchen, den Toten ihre Identität zurückzugeben, versprach Archäologin Halle.

© dpa-infocom, dpa:210713-99-365988/3

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