Archäologie Blutiger Frühlingsbote

Die Azteken waren für ihren grausamen Ritualkult bekannt. Sehen kann man das am Beispiel des Gottes Xipe Tótec. Dieser schmückte sich mit der Haut der ihm geopferten Menschen, wie eine neu entdeckte Kultstätte im mexikanischen Bundesstaat Pueblo zeigt.

Von Tobias Kühn

Harmlos anzusehen und doch furchteinflößend: Der Kopf des Gottes Xipe Tótec.

(Foto: Meliton Tapia Davila/AP)

Der Frühling wird gemeinhin als die Jahreszeit des Aufbruchs verstanden, nur sah der bei den Azteken ziemlich blutig aus: Xipe Tótec, den Gott des Frühjahrs und der neuen Vegetation, erkannte man daran, dass er die Haut eines ihm geopferten Menschen trug. Archäologen in Mexiko sind sich sicher, nun erstmals eine Kultstätte dieser Gottheit gefunden zu haben. Errichtet wurde sie vom Volk der Popoloca zwischen 1000 und 1260 im Gebiet des heutigen mexikanischen Bundesstaats Puebla, das später von den Azteken erobert wurde. Dass die Tempelanlage aus der Zeit davor stammt, belegt, dass die Azteken den Kult von anderen Völkern übernommen haben.

Archäologen bei der Ausgrabung einer neuen Kultstätte der Azteken 250 Kilometer entfernt von Mexiko Stadt.

(Foto: Meliton Tapia/AFP)

Die Darstellung des Gottes Xipe Tótec ist martialisch: Neben der menschlichen Haut, die seinen Oberkörper bedeckt, erkennt man ihn an einer dritten Hand. Diese hängt als Verlängerung an seinem linken Arm und soll die Hand des Opfers symbolisieren. "Bildhauerisch gesehen ist es ein sehr schönes Stück", freut sich die leitende Archäologin Noemí Castillo. Aus heutiger Sicht ist die Kultstätte schön anzusehen. Gleichzeitig steht sie aber für eine grausige Realität. Für den Aztekengott mussten viele Menschen ihr Leben lassen - ein blutiger Frühling.