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Archäologie:Antikes Massengrab in Athen: Sind es hingerichtete Putschisten?

80 Männer, viele von ihnen mit gefesselten Händen: Archäologen haben in Athen ein Massengrab aus dem 7. Jahrhundert vor Christus entdeckt.

(Foto: AFP)

80 Männer, die Hände gefesselt und gleichzeitig beerdigt: Archäologen vermuten, dass es sich um Anhänger des Olympia-Siegers Kylon handeln könnte, der im 7. Jahrhundert vor Christus die Macht an sich reißen wollte.

In Paleo Faliro, einem am Meer liegenden Vorort von Athen, sollen eine neue Nationalbibliothek und eine Nationaloper gebaut werden. Wie immer, wenn auf einer Baustelle Zeugnisse vergangener Zeiten auftauchen, sind aber erst mal die Archäologen dran: Schon mehr als 1500 Gräber aus dem achten bis fünften vorchristlichen Jahrhundert haben sie auf dem Gelände ausgegraben, die von einer Vielzahl unterschiedlicher Bestattungsriten zeugen. Aber in den vergangenen Wochen machten sie einen überraschenden Fund: Die Archäologen legten insgesamt 80 männliche Skelette frei, säuberlich aufgereiht nebeneinander - ein Massengrab (auf diesem Bild gut zu erkennen). Aber offensichtlich handelt es sich nicht um eines von Opfern einer Krankheitsepidemie oder im Kampf für ihre Heimatstadt getötete Krieger. Vielen der Toten waren die Hände mit eisernen Fesseln zusammengebunden, einem die Füße - als seien sie hingerichtet worden.

Nur zwei kleine Keramikgefäße, genutzt für Libationen, also rituelle Ausgüsse für die Toten, lagen in der Grube. Anhand der Bemalung lassen sie sich recht genau datieren und geben so einen plausiblen Anhaltspunkt, wann die Männer bestattet wurden: Die Gefäße stammen aus dem dritten Viertel des siebten Jahrhunderts vor Christus - also aus den Jahren 650 bis 625.

Ein adliger Olympiasieger will Alleinherrscher von Athen werden

Die Chefin der örtlichen Denkmalpflege, Stella Chrysoulaki, die die Ausgrabung in Faliro leitet, hat deshalb eine Theorie: Sie glaubt, bei den gefesselten Männern, allesamt jung und, wie sich an ihren Zähnen erkennen lässt, bei guter Gesundheit, könnte es sich um die Anhänger des Adligen Kylon handeln. Kylon hatte im Jahr 640 einen Sieg bei den Olympischen Spielen errungen - er war ein Star. Acht Jahre später setzte er sich in den Kopf, Tyrann, also Alleinherrscher, von Athen zu werden - ein zu der damaligen unruhigen Zeit in Griechenland nicht alltäglicher, aber auch nicht einzigartiger Plan.

Mit seinen Unterstützern besetzte Kylon zu diesem Zweck die Akropolis, wo sich das Heiligtum der Stadtgöttin Athena befand. Doch es gelang ihm nicht, die Menschen in der Stadt für sich zu mobilisieren. Nach tagelanger Belagerung durch eine Gruppe von Bürgern mussten die Umstürzler aufgeben. Kylon konnte fliehen, seine Männer suchten im Heiligtum der Athena Schutz. Dort wurden sie von den Angreifern getötet. Der Mann, der für diesen Frevel, die Missachtung des Asylrechts im Heiligtum, verantwortlich gemacht wurde, und seine Nachkommen wurden deshalb jahrhundertelang politisch verfolgt.

Diese Geschehnisse sind historisch überliefert. Darüber, wie die Anhänger Kylons zu Tode kamen, gibt es unterschiedliche Angaben. Von Fesseln ist allerdings nichts bekannt.

Beweisen lässt sich Chrysoulakis These bisher nicht. Alle Skelette aus dem Gräberfeld in Faliro sollen nun mit Unterstützung eines Labors der American School of Classical Studies in Athen mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht werden. Auch Forensiker werden sich mit den Toten beschäftigen - und vielleicht weitere Hinweise liefern, die sie als Kylons glücklose Putschisten identifizieren könnten.

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