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Arbeits-Psychologie:Abgelenkt durch gute Laune

Wohl kein Chef wünscht sich mies gestimmte Untergebene. Unter Umständen sind das aber die effektiveren Arbeiter.

Was kann sich ein Arbeitgeber mehr wünschen als Untergebene, die bester Laune ihrer Arbeit nachgehen?

Ist die Konzentration bei schlechter Laune besser?

(Foto: Foto: ddp)

Schließlich sind solche Angestellten offensichtlich mit ihrem Job zufrieden, ärgern sich nicht über die schon lange ausstehende Gehaltserhöhung und leiden nicht unter zu großen Stress.

Außerdem erhöht positive Stimmung bekanntlich die Kreativität, während Stress oder miese Laune das Gegenteil bewirken.

Doch der Chef, der sich freut, wenn Gesang und Pfeifen durch die Büros schallt, freut sich möglicherweise zu früh. Denn nicht bei jeder Aufgabe ist ein gut gelaunter Arbeiter die optimale Wahl .

Forscher der University of Toronto, Kanada, berichten, dass Menschen, die einfachen Arbeiten nachgehen, sich unter bestimmten Bedingungen eher ablenken lassen, wenn sie gut drauf sind.

Das Team um Adam Anderson beschallte 24 Studenten mit einem traurigen Stück von Prokofiev oder einer Jazz-Version eines Brandenburger Konzerts von Bach als fröhliche Musik, was ihre Stimmung nach eigenen Angaben entsprechend beeinflusste. Eine Kontrollgruppe beschäftigte sich dagegen mit dem Lesen von Fakten über Kanada.

Anschließend sollten sich die Versuchsteilnehmer an möglichst viele ungewöhnliche Worte erinnern. Wie schon frühere Studien gezeigt hatten, schnitten jene Studenten, die Gute-Laune-Musik gehört hatten, dabei am besten ab.

In einem zweiten Versuch dagegen sollten sich die Probanden auf eines von drei Worten in einer Reihe konzentrieren, die zwei anderen Begriffe aber ignorieren.

Damit wollten die Forscher gewissermaßen die Breite ihrer Aufmerksamkeit gegenüber visuellen Reizen prüfen.

Wie die Wissenschaftler in den Proceedings of the National Academies of Sciences (doi:10.1073/pnas.0605198104) berichten, war die Wahrscheinlichkeit, von den unwichtigen Worten abgelenkt zu werden, bei gut gelaunten Testpersonen um 40 Prozent höher als bei jenen, die traurige Musik gehört hatten

Anderson veranschaulicht das Phänomen am Beispiel eines Suchscheinwerfers: Bei guter Laune ist der Strahl breit, bei schlechter Laune schmal. Je nach Stimmung nehmen wir so mehr oder weniger Dinge wahr - und werden dementsprechend stark abgelenkt.