Multiresistete Keime Krankheitserreger am Badestrand

In Flüssen und Seen wurden antibiotikaresistente Keime nachgewiesen.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • Biologen haben in verschiedenen Flüssen und Seen Keime entdeckt, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind, auch gegen besonders starke.
  • Die Ursache dafür liegt möglicherweise in der Tiermedizin.
  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, Konsequenzen daraus zu ziehen.
Von Christina Berndt und Hanno Charisius

In deutschen Flüssen und Seen haben Biologen Bakterien gefunden, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Unter den Mikroben sind auch Krankheitserreger, die dem Menschen gefährlich werden können. Experten, die nicht an der Untersuchung beteiligt waren, zeigen sich beunruhigt. "Das ist wirklich alarmierend", sagt der Antibiotika-Experte Tim Eckmanns vom Robert-Koch-Institut zu den Funden.

Forscher von der Technischen Universität Dresden und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung am Universitätsklinikum Gießen haben in Begleitung von Reportern des NDR-Fernsehmagazins "Panorama" an zwölf Orten in Niedersachsen Wasserproben genommen. Bei der Untersuchung der Proben im Labor stießen die Wissenschaftler auf mehr als 80 verschiedene multiresistente Bakterienarten. In fünf getesteten Gewässern fanden sie zudem ein Gen, das Bakterien immun gegen das Antibiotikum Colistin macht.

Colistin gilt als Reservemedikament, das nur zum Einsatz kommt, wenn andere Mittel versagt haben. Es wird wegen seiner mitunter schweren Nebenwirkungen für Nieren und Nerven Menschen nur in Notfällen verordnet. In der Tiermedizin hat Colistin dagegen auch außerhalb von Notsituationen "eine erhebliche Bedeutung", wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin auf seiner Webseite schreibt. Nutztieren wird es vor allem zur Behandlung von Darmerkrankungen gegeben. Deshalb halten Wissenschaftler es für möglich, dass das Resistenzgen aus Ställen in die Gewässer gelangt ist.

Manche der Bakterien könnten schwerwiegende Infektionen verursachen, fürchten Ärzte

Erst vor wenigen Jahren hat sich gezeigt, dass Bakterien jenes Gen, das sie gegen Colistin resistent macht, an andere Mikroben weitergeben können. So kann sich die Resistenz weiter ausbreiten. Die Feststellung einer Colistin-Resistenz unterstreiche die Notwendigkeit einer Beschränkung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung auf das unbedingt notwendige Maß, schreibt das BfR.

Bereits früher wurden antibiotikaresistente Keime und Resistenzgene in der Umwelt gefunden. Systematische Untersuchungen zum Ausmaß des Problems gibt es kaum. Es gibt auch keine regelmäßigen Kontrollen. "Wir haben Erreger gefunden, die bei bestimmten Patienten durchaus schwerwiegende Infektionen verursachen können", sagte der Mediziner Can Imirzalioglu vom Universitätsklinikum Gießen den "Panorama"-Reportern, deren Bericht an diesem Dienstag ausgestrahlt wird.

Kläranlagen schaffen es häufig nicht, resistente Bakterien aus den Abwässern zu filtern. Das zeigte sich auch in einer Wasserprobe aus dem Fluss Hase, die kurz hinter dem Ausfluss des kommunalen Klärwerks von Osnabrück entnommen worden war. Auch an zwei Badestränden fanden sich multiresistente Erreger. Ein Fund alleine bedeutet allerdings nicht zwangsläufig eine Gefahr für Badende. Gesunden Menschen können Keime in der Regel nichts anhaben.

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