Anthropologie Wein doch nicht!

(Foto: Florian Kopp/Mauritius Images)

Über wenige Dinge wird so viel gestritten wie die richtige Erziehung von Kindern. So ist es gar nicht so lange her, dass Pädagogen sogar davor warnten, sofort auf das Schreien von Babys einzugehen. Doch Eltern können nicht anders. Das gilt weltweit, wie eine Studie zeigt.

Von Christian Weber

Über wenige Dinge wird so viel gestritten wie die Kindererziehung. So ist es gar nicht so lange her, dass manche Pädagogen sogar davor warnten, immer sofort auf das Schreien von Babys einzugehen. Heute scheint kaum noch jemand dieser Ansicht zu sein, wie eine Studie eines Forscherteams um Marc Bornstein vom National Institute of Child Health and Human Development in den USA im Fachmagazin PNAS zeigt. Sie beobachteten 684 Mütter aus elf Ländern in Asien, Afrika, Europa und Amerika mit durchschnittlich fünf Monate alten Säuglingen. Dabei stellten sie fest, dass durchweg alle ihre schreienden Kinder hochnahmen, sie umarmten und mit freundlichen Worten trösteten. Ein derart universelles Verhalten müsse wohl eine biologische Grundlage haben, folgerten die Autoren und bestätigten ihre These mit einem weiteren Experiment: Sie untersuchten mit funktioneller Magnetresonanztomografie, was in den Gehirnen von 43 Müttern aus den USA und 55 aus China geschieht, wenn sie das Schreien ihrer Kinder hören. Tatsächlich passierte bei allen Probandinnen das Gleiche: Es aktivierten sich Hirnregionen, die mit dem Willen zum Bewegen und Sprechen verbunden sind.