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Anthropologie:Speere mit Steinspitzen vor 500.000 Jahren

Funde in Südafrika deuten darauf hin, dass schon die Vorfahren des Neandertalers über Speere mit Steinspitzen verfügten. Solche Waffen sind demnach 200.000 Jahre älter als bislang angenommen.

Eine etwa 500.000 Jahre alte Speerspitze aus der Ausgrabungsstelle Kathu Pan 1. Der Strich entspricht einem Zentimeter.

Eine etwa 500.000 Jahre alte Speerspitze aus der Ausgrabungsstelle Kathu Pan 1. Der Strich entspricht einem Zentimeter.

(Foto: Jayne Wilkins)

Wann unsere Vorfahren die ersten Speere entwickelt haben, ist unbekannt. Doch der Zeitpunkt, zu dem sie einen Holzschaft mit einer bearbeiteten Steinspitze versahen, liegt offenbar deutlich weiter zurück als bislang angenommen.

Darauf deuten Steinzeit-Funde aus Südafrika hin, die ein internationales Team von Anthropologen untersucht hat. Demnach kannten Frühmenschen schon vor 500.000 Jahren die Technik, Steine oder Knochen mit einem Schaft zu verbinden.

Bislang hatten Experten vermutet, dass erst Neandertaler und Homo sapiens vor etwa 300.000 Jahren auf diese Idee gekommen waren, während der ältere Frühmensch Homo heidelbergensis Holzspeere verwendete wie jene verwendeten, die in den neunziger Jahren im niedersächsischen Schöningen entdeckt wurden.

Wie Jayne Wilkins von der University of Toronto, Kanada, und ihre Kollegen nun im Fachmagazin Science berichten, haben Neandertaler und Homo sapiens die Technik offenbar doch nicht selbst entwickelt, sondern von ihrem gemeinsamen Vorfahren, dem Homo heidelbergensis, übernommen.

"Es sieht nun so aus, dass manche der Eigenschaften, die wir mit modernen Menschen und unseren nächsten Verwandten assoziieren, in unserer Abstammungslinie weiter zurück verfolgt werden können", sagt Wilkins.

Diese Nachbildungen der Steinspitzen haben die Wissenschaftler mit Akazienharz und Sehnen mit Holzschäften verbunden.

Diese Nachbildungen der Steinspitzen haben die Wissenschaftler mit Akazienharz und Sehnen mit Holzschäften verbunden.

(Foto: Jayne Wilkins)

Die Steinspitzen, die Wiklins und der Teamleiter Michael Chazan von der University of Toronto gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Südafrika untersuchten, waren bereits zwischen 1979 und 1982 in der Nähe der südafrikanischen Stadt Kathu entdeckt worden. Erst 2010 waren die Artefakte aus der Ausgrabungsstätte Kathu Pan 1 auf ein Alter von etwa 500.000 Jahren datiert worden.

Um ihre Vermutung zu prüfen, fertigten die Archäologen Nachbildungen der Steine an, verbanden sie mit Holzschäften und feuerten sie mit Hilfe einer Art Armbrust auf zwei Springbockkadaver ab. "Die meisten der 32 nachgemachten Spitzen mussten etliche Mal abgeschossen werden, bis Schäden sichtbar waren", schreiben sie in Science. Die Spuren, die der Gebrauch auf den Replikaten hinterließ, stimmten überein mit den Schäden an den Steinspitzen.