Anthropologie Die Farbe der Haut

Charles Darwin rätselte noch, weshalb sich die Hautfarbe von Menschen unterscheidet. Heute ist die Antwort bekannt.

Von Kathrin Zinkant

Als Charles Darwin der Welt vor gut 150 Jahren seine Theorie der Evolution unterbreitete, blieb aus Sicht des Menschen doch noch einiges im Dunkeln. Zum Beispiel, warum die menschliche Spezies eigentlich so viele unterschiedliche Hautfarben hervorbringen kann. Bei anderen Tieren gab es das so nicht. Allerdings lebten andere Tiere auch nicht über die ganze Welt verstreut: Darwin selbst war auf seinen Reisen in der Nähe des Äquators schwarzen Menschen begegnet, und zu Hause in Europa, vor allem in Großbritannien eher blassen Typen. Es war eigentlich offensichtlich, dass die Hautfarbe in irgendeiner Weise mit Geografie zusammenhängt. Darwin lehnte jedoch die Idee ab, dass klimatische Verhältnisse eine Ursache für die Hautfarbe sein sollten.

Heute ist unstrittig, dass die Lichteinstrahlung in den verschiedenen Klimazonen der Erde ein maßgeblicher Faktor für die Evolution der verschiedenen Hautfarben gewesen ist - und dass sich die Farbe in der Haut als Ersatz für ein Schatten spendendes Fell entwickelte: Der nächste Verwandte des Menschen, der Schimpanse, hat unter seinen dichten, dunklen Haaren eine ganz blasse Haut. Die Wiege der Menschheit liegt zudem in Afrika - in Regionen, in denen die UV-Strahlung auch heute noch sehr stark ist. Schon die Haut der ersten menschlichen Arten benötigte also einen Lichtschutz. Und so trat das Melanin auf den Plan. Der dunkle Farbstoff ist ein Dauerbrenner in der Evolution, er hat sich in fast allen Zweigen des Tierreichs etabliert. Beim Menschen, so dachte man lange, sollte das Melanin wohl die Entstehung von Hautkrebs verhindern. Darauf deutet hin, dass dunkelhäutige Menschen zehnmal seltener daran erkranken. Dagegen spricht, dass Menschen mit Hautkrebs meist noch alt genug werden, um sich fortzupflanzen - und darauf kommt es in der Evolution schließlich an. Wozu aber braucht der Mensch dann dunkle Haut? Die amerikanische Paläoanthropologin Nina Jablonski von der Pennsylvania State University hat inzwischen Licht ins Dunkel gebracht: UV-Strahlung zerstört nämlich das lebenswichtige B-Vitamin Folat in der Haut. Je stärker die Strahlung, desto notwendiger der Schutz. Zugleich aber benötigt der Mensch UV-Licht, um das ebenso wichtige Vitamin D zu bilden. Je weniger Schutz, desto mehr Vitamin D. Die verschiedenen Hautfarben des Menschen sind Jablonski zufolge Kompromisse. Sie erlauben es, je nach Region und Lichteinfall ein Gleichgewicht beider Vitamine herzustellen.