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Anthropologie:3000 Jahre alte Familien-Bande

Bewohner des Sösetals könnten direkte Nachfahren von Menschen der Bronzezeit sein, deren Skelette man im Harz gefunden hat. Ihr DNA-Muster spricht dafür, so Göttinger Forscher.

Bronzezeit-Menschen aus dem Harz könnten nach Angaben von Wissenschaftlern Nachfahren haben, die noch heute in der Region leben.

Die DNA-Muster von mehreren Menschen aus dem Südharzer Sösetal seien identisch mit denen von rund 3000 Jahre alten Skeletten, die in der Lichtensteinhöhle im Kreis Osterode gefunden wurden, berichteten Forscher am Donnerstag in Göttingen.

Wissenschaftliche Beweise für Verwandtschaften über mehr als 100 Generationen gebe es jedoch noch nicht. Diese könnten erst durch künftige biostatistische Untersuchungen erlangt werden. Die Göttinger Anthropologen hatten in einem weltweit einmaligen Projekt die DNA aus den Knochenfunden mit derjenigen von fast 300 Probanden aus Harzdörfern verglichen.

"Jeder von uns hat Vorfahren in der Bronzezeit, aber nicht alle Menschen aus der Bronzezeit haben heute lebende Nachfahren", sagte Projektleiterin Susanne Hummel. Der Vergleich der DNA-Muster habe nun gezeigt, dass es unter den Probanden aus dem Sösetal "mehrere Verdächtige und mehrere heiße Kandidaten" für eine Verwandtschaft mit den Menschen aus der Bronzezeit gebe.

Identische genetische Muster

So hätten insgesamt elf Probanden genetische Muster aufgewiesen, die mit denen der Skelette aus der Bronzezeit identisch seien. In weiteren fünf Fällen gab es große Ähnlichkeiten der Muster. Ein Beweis steht laut Hummel aber aus, weil die entdeckten Muster auch in einigen anderen Teilen Deutschlands und Europas vorkämen.

In der Lichtsteinhöhle im Kreis Osterode war 1980 eine noch unversehrte Kultstätte aus der jüngeren Bronzezeit entdeckt worden. Neben Schmuck und anderen Gegenständen fanden die Forscher auch die sehr gut erhaltenen Knochen von 40 Menschen sämtlicher Altersstufen.

Nachdem zunächst über eine Menschenopferstätte spekuliert worden war, gehen die Wissenschaftler inzwischen davon aus, dass es sich um einen Bestattungsplatz gehandelt hat.

Die Forscher ließen die Skelette zunächst in der Höhle liegen, eine Raubgrabung im Jahr 1992 zwang jedoch zu ihrer Bergung. Sämtliche Knochen werden seitdem in einem Keller des Institutes für Zoologie und Anthropologie der Göttinger Universität aufbewahrt.

Damit sie erhalten blieben, müssten sie ständig bei minus 20 Grad Celsius tiefgekühlt werden, erläuterte Hummel. Die beteiligten Wissenschaftler konnten die 3000 Jahre alte DNA in den Knochen nahezu vollständig analysieren. Das Erbgut sei meistens aus pulverisierten Zahnwurzeln entnommen worden, sagte Hummel.

Es sei schließlich gelungen, das verwandtschaftliche Beziehungsgeflecht einer großen bronzezeitlichen Familie zu rekonstruieren: "Wir konnten zwei Kernfamilien und weitere Verwandtschaften bestimmen." Um deren mögliche Verwandtschaftsverhältnisse in die heutige Zeit zu rekonstruieren, entnahmen die Forscher Speichelproben von 273 Probanden.