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Klimawandel:Riesige Höhle unter dem Antarktis-Eis entdeckt

Thwaites-Gletscher

Der Thwaites-Gletscher, aus der Luft fotografiert

(Foto: dpa)
  • Forscher haben unterhalb des Thwaites-Gletscher in der Antarktis eine riesige Höhle entdeckt.
  • Der Hohlraum enthielt einst 14 Milliarden Tonnen Eis, das meiste davon ist in den vergangenen drei Jahren geschmolzen.
  • Solche rasanten Schmelzprozesse könnten den Meeresspiegelanstieg weiter antreiben.

Am Rand des Thwaites-Gletschers in der West-Antarktis ist unterhalb des Schelfeises eine riesige Höhle entstanden. Die Dimensionen der Höhle sind gewaltig: Ihre Grundfläche ist in etwa halb so groß wie der Chiemsee, sie ist ungefähr so hoch wie der Eiffelturm und enthielt einst 14 Milliarden Tonnen Eis. Ein Großteil davon ist in den vergangenen drei Jahren abgeschmolzen, berichten Forscher um Pietro Milillo von der Nasa und dem California Institute of Technology im Magazin Science Advances.

An der Arbeit waren europäische und amerikanische Klimaforscher unter anderem auch vom deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der europäischen Weltraumorganisation ESA beteiligt.

Die bislang unbekannte Höhle wurde durch Messungen mit eisdurchdringenden Radargeräten an Bord von Forschungsflugzeugen sowie Radarsatelliten entdeckt. Im vorderen Bereich der Höhle schmilzt das auf dem Wasser liegende Schelfeis schneller als an irgendeinem anderen in der Antarktis vermessenen Ort und damit rascher als von Modellrechnungen vorhergesagt. Im hinteren Bereich dagegen taut das Eis eher langsam.

Schelfeis ist der Ausläufer eines Gletschers, der schon auf das Meer hinausragt, aber noch mit dem Eis auf dem Land - nicht jedoch dem Land selber - verbunden ist. Durch die Unterspülung mit warmem, salzigen Wasser aus der Tiefe schmilzt dieser Teil eines Gletschers besonders schnell ab, was dazu führt, dass Eismassen vom Landesinneren nachrutschen. Liegt das Eis einmal auf dem Wasser auf, lässt es auch im festen Zustand den Meeresspiegel ansteigen.

Das Eis taut in der Höhle unerwartet schnell

In den geräumigen Abschnitten der nun gefundenen Höhle wirkt dieser Unterspülungs-Effekt besonders stark. Im hinteren, flacheren Bereich der Höhle dagegen greife dieser Mechanismus weniger, da sich das warme Wasser aus größeren Tiefen nicht so stark mit Wasser aus höheren Schichten vermische, heißt es in der Studie. Die Entdeckung dieser Höhle, in der das Eis auf derart unvorhergesehene Weise schnell taut, ist die eigentliche Überraschung der Studie. Die mittleren Schmelzraten, die am Thwaites-Gletscher gemessen wurden, sind zwar ebenfalls recht hoch, liegen aber im erwarteten Bereich.

Der Thwaites-Gletscher wird schon seit längerem von Gletscher- und Klimaforschern beobachtet. Er wirkt, zusammen mit dem benachbarten Pine Island-Gletscher wie ein Stöpsel für die Eismassen der West-Antarktis, sagt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Der Boden des Südkontinents fällt zum Landesinneren ab.

Gäben die beiden äußeren Gletscher den Weg frei, sodass die Eismassen dahinter in den Ozean gelangten, hätte dies einen Anstieg des Meeresspiegels um dreieinhalb Meter zur Folge. "Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird dies auch passieren." Allerdings vollziehe sich dieser Prozess nicht kurzfristig, sondern in einem Zeitraum von hundert Jahren, so Levermann.

Um die überraschende Höhlenbildung erklären zu können, sind weitere Verbesserungen in der Simulierung der Dynamik von Gletschern und Meer nötig. "Um die Auswirkung dieses Gletschers auf den Meeresspiegelanstieg in den kommenden Jahrzehnten vorherzusagen, muss man verstehen, wie das Meer ihn abschmilzt", sagte der an der Studie beteiligte Forscher Eric Rignot von der University of California laut einer Mitteilung der Nasa. Der Thwaites-Gletscher allein trägt derzeit etwa vier Prozent zum globalen Meeresspiegelanstieg bei.

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