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Angst vor einer weltweiten Epidemie:Schweinegrippe breitet sich aus

Die Schweinegrippe hat Deutschland erreicht. Mindestens drei Menschen sind erkrankt, weitere Verdachtsfälle werden geprüft. Die Politik warnt inzwischen vor Hysterie.

Mit drei bestätigten Fällen hat die Schweinegrippe Deutschland erreicht. Das teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Neben einer 22 Jahre alten Frau in Hamburg seien ein Mann und eine Frau in Bayern betroffen. Alle drei waren von Mexikoreisen nach Deutschland zurückgekommen. Die drei Fälle seien vom Nationalen Referenzzentrum für Influenza des RKI bestätigt worden, hieß es.

Im Klinikum Regensburg ist eine eigene Isolierstation eingerichtet worden.

(Foto: Foto: dpa)

Nach den ersten Fällen in Deutschland werden Bundeskanzlerin Angela Merkel zufolge Vorbereitungen auf eine mögliche weitere Ausbreitung der Seuche getroffen. "Wir überprüfen jetzt natürlich noch einmal an allen Stellen, ob die notwendigen Vorkehrungen getroffen sind", sagte die CDU-Politikerin.

Sie habe Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) gebeten, mit den Gesundheitsministern der Länder sicherzustellen, dass genügend Medikamente bereitgestellt werden. Die Menschen sollten sich darauf verlassen können, dass die Regierung das Notwendige tue. Bei der Schweinegrippe handele es sich um eine internationale Herausforderung, auf die glücklicherweise die Europäische Union gut vorbereitet sei, sagte Merkel weiter. Die EU-Gesundheitsminister hätten sich sehr eng abgestimmt.

Neben den drei bestätigten Fällen von Schweinegrippe gibt es in Deutschland derzeit noch zwei offene Verdachtsfälle. Das sagte Gesundheitsministerin Schmidt (SPD). In vier weiteren Fällen habe sich der Verdacht nicht bestätigt. Bei diesen Betroffenen sei das A/H1N1-Virus nicht nachgewiesen worden. Schmidt betonte zugleich, es gebe noch keinen Grund zur Entwarnung.

"Niemand kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, wie es sich weiterentwickelt", betonte die Ministerin. Das Gesundheitsministerium hat für Bürger eine Hotline unter der Nummer 01805-996619 geschaltet.

Bestätigt sind in Mexiko bislang nach offiziellen Angaben 26 Schweinegrippe-Infektionen, darunter sieben Todesfälle. Bislang hatten die Behörden höhere Zahlen genannt. Gesundheitsminister José Cordova teilte mit, die Zahl der Neuinfektionen sei ebenfalls gesunken: Es gebe nur sieben weitere Verdachtsfälle.

Das neue Grippevirus könnte in Mexiko allerdings für insgesamt 159 Todesfälle und 2498 Erkrankungen verantwortlich sein, teilte Cordova mit. 1311 Menschen würden noch in Krankenhäusern behandelt. Der Minister erklärte, viele kämen mit Symptomen, die denen der Schweinegrippe ähnelten, in die Kliniken, litten aber an anderen Krankheiten.

Kleinkind erstes Todesopfer in den USA

Ein 23 Monate altes erst kürzlich aus Mexiko eingereistes Kleinkind in Texas ist das erste Todesopfer durch die Schweinegrippe in den USA. Der Chef des US-Zentrums für Seuchenkontrolle (CDC), Richard Besser, sprach von einer tragischen Entwicklung.

Angesichts der weltweit steigenden Zahl der Fälle von Schweinegrippe-Infektionen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein drittes Expertentreffen einberufen. Deutschland meldete drei Infektionen, Österreich einen Fall und Großbritannien drei weitere Erkrankungen.

Beim Treffen der WHO-Grippeexperten soll der Alarmstatus diskutiert werden: Derzeit ist es die Stufe vier, zwei Stufen unterhalb einer voll ausgebrochenen Pandemie. Bislang hat die WHO die Schweinegrippe als internationalen Gesundheitsnotstand bezeichnet - das bedeutet, dass die Gefahr einer globalen Ausbreitung größer geworden ist.

Die mexikanischen Behörden setzten mittlerweile Schnelltests ein, um eine Infektion mit anderen Typen von Grippeviren auszuschließen, sagte Cordova. Um die Ausbreitung der Krankheit zu bremsen, wurden berühmte touristische und archäologische Stätten der Maya und Azteken geschlossen, in der Hauptstadt dürfen Restaurants Essen nur noch außer Haus verkaufen.

In den USA stieg die Zahl der bestätigten Infektionen auf insgesamt 67, die meisten davon in den Staaten New York (45) und Kalifornien (11). Laut WHO sind nicht alle Erkrankten in Mexiko gewesen, einige haben sich also vermutlich in den USA angesteckt. Zur Bekämpfung der Grippe beantragte das Weiße Haus im Kongress 1,5 Milliarden Dollar (1,15 Milliarden Euro).

Wienerin an Schweinegrippe erkrankt

Fünf bestätigte Erkrankungen gab es am Mittwoch in Großbritannien, zwei weitere in Spanien. Bei allen Patienten war der Zustand jedoch nicht bedrohlich. In Österreich wurde die Erkrankung einer Wienerin als erster Fall bestätigt. Die 28-jährigen, die von einer Mexikoreise zurückgekommen war, spreche gut auf die Behandlung an, hieß es. In Israel gibt es zwei Fälle. In Kanada erhöhte sich die Zahl der bestätigten Infektionen auf 13 und in Neuseeland auf 14. Auch sie sprächen gut auf Medikamente an, erklärten die Gesundheitsbehörden.

Weltweit wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Russland, Hongkong und Taiwan erklärten, Durchreisende mit Grippesymptomen würden sofort in Quarantäne eingewiesen. Als erstes Land stellte Kuba am Dienstag den Flugverkehr von und nach Mexiko für 48 Stunden ein. Argentinien erklärte, bis Sonntag würden alle Flüge aus Mexiko ausgesetzt. Außerdem sollten sich rund 60.000 Menschen, die in den vergangenen drei Wochen aus Mexiko, den USA und Kanada eingereist sind, mit dem Gesundheitsministerium in Verbindung setzen. Von Südkorea bis Kambodscha sollten Reisende aus Nordamerika mit Thermalscannern auf Fieber untersucht werden.

Schweinegrippe in Mexiko

Das Leben steht still