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Zoologie:Spezialisten der Straßenreinigung

Blattschneiderameisen

Blattschneiderameisen müssen die Wege in Schuss halten, über die der Nachschub an Blättern in die Kolonie transportiert wird.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)
  • Im Durchschnitt kümmert sich eine Ameisenkolonie pro Jahr um die Instandhaltung von fast drei Kilometern Wegstrecke.
  • Für Ordnung sorgen spezialisierte Straßenbautrupps, die offenbar einfach ihrer Neigung zum Aufräumen folgen.

Sich auf lang bewährten Pfaden fortzubewegen, das ist keine rein menschliche Eigenart. Auch viele Tiere nutzen die immer gleichen Wege, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Bekannt ist dies zum Beispiel von Elefanten und Rindern, von Wühlmäusen und Meeresschnecken. Spitzenreiter im Straßenbau unter den Tieren sind jedoch Blattschneiderameisen. Einzelne Pfade dieser Insekten können sich über Abschnitte von bis zu 200 Meter erstrecken. Für eine Ameise von lediglich wenigen Millimetern Körperlänge ist das eine beträchtliche Distanz - zumal die Wege beständig in Schuss gehalten werden müssen.

Im Durchschnitt kümmert sich eine Kolonie dieser Tiere pro Jahr um die Instandhaltung von fast drei Kilometern Wegstrecke. Die Insekten nutzen ihre ausgetretenen Pfade zum Beispiel, wenn sie zerkleinerte Blätter heimtragen, die als Nährboden für Pilze dienen, von denen sie sich dann ernähren. Diese Pilzzucht ist typisch für Blattschneiderameisen.

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Sich um die Wege zu kümmern, bedeutet dabei vor allem eines: aufräumen, Müll wegschaffen, der Vorherrschaft des Chaos entgegenwirken. Erstaunlich genug, dass Blattschneiderameisen dies meisterlich schaffen - umso mehr, als sie sich dazu innerhalb ihrer Kolonie offenbar nicht einmal abstimmen müssen. Darauf deutet die Studie eines Teams um Thomas Bochynek von der Northwestern University in Illinois hin ( Proceedings B). Die Biologen untersuchten in Laborexperimenten, wie zwei Kolonien argentinischer Blattschneiderameisen ihre Pfade instand halten und von Hindernissen befreien.

Den Daten zufolge scheint manchen Kolonie-Mitgliedern es einfach zu liegen, für Ordnung zu sorgen. Diese Aufräumer schafften Stück um Stück des Unrats weg. Dafür beteiligten sie sich nicht daran, Blätter ins Nest zu schaffen. Hingegen setzten Ameisen, die zerkleinertes Pflanzenmaterial zurück ins Nest trugen, ihren Weg auch dann unbeirrt fort, wenn um sie herum lauter Müll lag.

Die Ameisen verfolgen also nicht vorrangig das Prinzip "jeder räumt weg, wenn ihn etwas stört", sondern setzen auf klare Arbeitsteilung und spezialisierte Straßentrupps: Die Wartung der Infrastruktur ist Sache einer bestimmten Gruppe, die aktiv nach Hindernissen auf den Ameisen-Pfaden sucht und diese unermüdlich beseitigt.

Unklar ist noch, nach welchen Kriterien sich ein Kolonie-Mitglied dem Straßentrupp anschließt. Co-Autor Christoph Kleineidam von der Uni Konstanz vermutet, dass die individuellen Erfahrungen und damit einhergehenden Vorlieben einer Ameise während ihrer Entwicklung maßgeblich über ihren späteren Job entscheiden.

Einflüsse von Artgenossen, etwa das Anwerben neuer Straßenarbeiter durch einen Art Headhunter, scheinen jedenfalls keine Rolle zu spielen. Zumindest fanden die Forscher keine Hinweise darauf, dass sich die Ameisen gegenseitig rekrutierten. Zudem scheinen sie sich untereinander nicht einmal darüber auszutauschen, dass sich mal jemand um die Pfade kümmern müsste. Statt auf langwierige Abstimmungen setzen die Insekten auf eine von selbst entstehende Organisation.

Das ist nicht nur nach menschlichen Gesichtspunkten erstaunlich. Sondern auch, wenn man es mit dem vergleicht, was sonst unter Ameisen üblich ist. "Soziale Insekten sind in erster Linie aufgrund ihrer Fähigkeit zu Kommunikation und gegenseitigen Beeinflussung des Verhaltens in der Lage, sehr erfolgreich Arbeit aufzuteilen", sagt Kleineidam. Die Blattschneiderameisen jedoch nutzen diese Fähigkeit aus noch unbekannten Gründen nicht - und halten ihre Wege dennoch einwandfrei in Schuss.

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