"Alternative für Deutschland" Die Anti-Wissenschafts-Partei

"Unbelegte Klimaschädlichkeit von CO₂": Die AfD wirbt gezielt um Klimawandel-Skeptiker

(Foto: dpa)

Die AfD macht das Leugnen des Klimawandels zum festen Bestandteil ihrer Politik. Dahinter steckt eine gefährliche Strategie.

Kommentar von Christoph Behrens

"Mut zur Wahrheit", hieß der Slogan der AfD, als Bernd Lucke Vorsitzender der Partei war. Seine Politik richte sich an der Wissenschaft aus, betonte der Hamburger Professor, mit Sätzen wie "Das ist der neueste Stand der Forschung". Dass die AfD diesem Anspruch schon zu Luckes Zeit gerecht wurde, darf bezweifelt werden - mittlerweile hat sich die Beziehung der AfD zu Wissenschaft und Wahrheit aber vollständig ins Gegenteil verkehrt.

So erklärt die Partei in ihrem Bundesprogrammentwurf, der im Internet auftauchte, den durch Menschen verursachten Klimawandel für nicht vorhanden. Klimaforscher und Bundesregierung würden die positive Wirkung von Kohlendioxid für die Welternährung unterschlagen, in den letzten zwei Jahrzehnten habe es auch keinen Temperaturanstieg gegeben. Eine Behauptung, die etwa durch Messungen der UN-Meteorologiebehörde WMO und Atmosphärenforschern längst widerlegt ist: 15 der 16 wärmsten Jahre seit Beginn der Klimaaufzeichnungen liegen im 21. Jahrhundert - so viel zum "Stand der Forschung".

Auf Landesebene - etwa in Baden-Württemberg - verknüpft die AfD Behauptungen von einer "unbelegten Klimaschädlichkeit von CO₂" mit Forderungen nach einem Stopp der erneuerbaren Energien. Selbst zum Zika-Virus in Südamerika hat die Neue Rechte etwas zu sagen. Dazu schreibt das der AfD nahestehende Magazin Compact, eine britische Firma habe das Virus mithilfe gentechnisch veränderter Mücken in die Welt gesetzt. Das abstruse Gerücht verbreiten auch russische Medien wie der Fernsehsender Russia Today.

Die Wissenschaft soll politisiert werden, dann lässt sich bequemer argumentieren

Hinter all dem steckt eine gefährliche Strategie: Wissenschaft selbst soll instrumentalisiert und politisiert werden. Passen die Ergebnisse nicht, werden Wissenschaftler zur neuen "Lügenpresse" deklariert, die mit den Mächtigen konspirieren. Für die AfD ist das äußerst bequem. Wer sich das naturwissenschaftliche Fundament nach Belieben hinbiegt, kann auch nach Belieben politische Forderungen stellen, mal für Kohle, mal gegen Fahrradwege oder innerstädtische Tempolimits.

Der Angriff auf die Wissenschaft ist eine Zäsur in der politischen Debatte Deutschlands, wo die Erderwärmung anders als in den USA nie eine Frage von links oder rechts war. Kurzfristig mag die Strategie aufgehen, um damit in sozialen Netzwerken auf Stimmenfang zu gehen. Langfristig könnten amerikanische Verhältnisse in Deutschland drohen und großen Schaden anrichten. Der Klimawandel ist keine Erfindung linker Ideologen - vielmehr ist die Anerkennung empirischer Fakten die Basis für Fortschritt und technische Innovationen. Untergräbt man dieses Fundament, so gerät auch der Wohlstand in Gefahr, dessen Sicherung die AfD gerne fordert.

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