Alternative Energien:"Europa braucht Solarthermie"

Wenn wir nicht mehr von fossilen Brennstoffen abhängig sein wollen, sind mehr Spiegel-Kraftwerke notwendig. Das ist das Ergebnis einer Studie der europäischen Wissenschaftsakademien. Demnach ist Solarthermie besser als Photovoltaik.

Jeanne Rubner

Für die Energiewende braucht Europa solarthermische Kraftwerke. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der europäischen Wissenschaftsakademien. In solchen Kraftwerken wird die Sonnenenergie mit Hilfe von Spiegeln eingefangen und konzentriert. Die dabei entstehende Wärme wird - wie in einem konventionellen Kraftwerk - genutzt, um eine Turbine anzutreiben und Strom zu erzeugen.

Kernkomponenten für solarthermische Kraftwerke von SCHOTT

Europa braucht mehr solarthermische Kraftwerke wie AndaSol 1 auf der Hochebene von Guadix in der südspanischen Provinz Granada.

(Foto: obs/SCHOTT AG)

"Wenn Europa weg von fossilen Brennstoffen kommen will, braucht es Solarthermie", sagt Robert Pitz-Paal, Leiter des Instituts für Solarforschung am Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt und federführender Autor der Studie.

Solarthermische Kraftwerke haben gegenüber sogenannten Photovoltaik-Anlagen mit Solarzellen, die Licht direkt in Strom umwandeln, einen Vorteil: ihre Speicherfähigkeit. Durch die Konzentration der Strahlen werden Temperaturen zwischen 400 und 1200 Grad Celsius erreicht - die Wärme kann über Nacht und sogar eine Woche lang gespeichert werden. So lassen sich Schwankungen ausgleichen, die zwangläufig entstehen, weil die Sonne nur tagsüber scheint oder der Himmel wolkenverhangen ist.

Strom aus solarthermischen Kraftwerken - das größte dieser Art steht in Kalifornien, in Spanien werden mehrere Anlagen gebaut - kostet derzeit etwa 18 Cent pro Kilowattstunde. Damit sind die Kosten etwa so hoch wie für Strom aus Offshore-Windanlagen und zwei- bis dreimal so hoch wie Strom aus Kohle oder Gas.

Pitz-Paal rechnet damit, dass durch bessere Technik und Massenproduktion der Preis innerhalb von zehn bis 15 Jahren auf die Hälfte sinken kann. Solarthermische Anlagen wären bis spätestens 2030 wettbewerbsfähig. Das gilt zwar auch für Photovoltaik-Anlagen, aber die elektrische Speicherung von Strom sei viel zu teuer, sagt Pitz-Paal. "Wer Versorgungssicherheit will, kommt um Solarthermie nicht herum."

Solarthermie setzt allerdings einen massiven Netzausbau voraus. Die Technik funktioniert überdies nur in Regionen, wo die Sonne kräftig scheint - in Südspanien oder Nordafrika. Davon könnten die Regionen am Mittelmeer profitieren, betont die Studie. Vor allem in den Ländern des nahen Ostens und Nordafrikas könnten Arbeitsplätze entstehen - die Politik solle daher den Bau von Kraftwerken dort unterstützen, so das Fazit.

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