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Allgemeines:Schizophrene Psychose

"Du bist ja völlig schizophren" - in unserer Sprache sind solche Bemerkungen meist abwertend gemeint. Doch den wirklich Betroffenen tut man damit Unrecht.

Menschen, die an einer schizophrenen Psychose leiden, unterscheiden sich nicht allzu sehr von Gesunden, auch wenn sie in akuten Krankheitsphasen zu Reaktionen und Verhaltensweisen neigen, die schwer verständlich erscheinen.

Viele Menschen wissen gar nicht, was eine Psychose ist und lehnen Betroffene ab.

(Foto: Foto: PantherMedia)

Dank der modernen Wissenschaft verfügt die Medizin heute über eine ganze Palette von Behandlungsmöglichkeiten, mit denen sich die Krankheit gut unter Kontrolle halten lässt.

"Du verhältst dich ja völlig schizophren", "Der Typ muss schizophren sein", "eine schizophrene Situation" - in unserer Sprache kommt die Schizophrenie häufig vor.

Es ist wohl kein Zufall, dass die entsprechenden Bemerkungen meist abwertend gemeint sind. Schließlich wissen die meisten Menschen gar nicht so genau, was eine schizophrene Psychose ist, und Unwissen erzeugt Ablehnung.

Doch dafür besteht kein Grund. Wenn die schizophrene Psychose früh erkannt und richtig behandelt wird, können die Betroffenen häufig ein weitgehend normales Leben führen.

Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis sind nicht so selten: Einer von 100 Menschen wird den Statistiken zufolge mindestens einmal in seinem Leben eine psychotische Episode durchleben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation stehen psychiatrische Krankheiten schon heute auf Platz eins unter den Leiden mit der größten Anzahl durch Behinderung verlorener Lebensjahre.

Die Schizophrenie allein nimmt unter den zehn häufigsten psychiatrischen Erkrankungen Rang drei ein (auf Platz eins: die Depression; auf Platz fünf: manisch-depressive Erkrankungen). Und es kann jeden treffen, auch wenn manche Menschen aufgrund einer angeborenen Veranlagung stärker gefährdet sind.

Prominente Patienten

Eine Reihe prominenter Beispiele beweist, dass Menschen mit einer schizophrenen Psychose zu kreativen und geistigen Höchstleistungen fähig sind. So der Mathematiker John Forbes Nash, der für seine Leistungen auf dem Gebiet der Spieltheorie 1994 sogar mit dem Nobelpreis geehrt wurde. Nash litt 60 Jahre lang an wiederkehrenden schizophrenen Wahnvorstellungen, die seine wissenschaftliche Karriere beinahe beendet hätten. Seine in den 50er- und 60er-Jahren entwickelten Theorien beeinflussen heute noch die Wirtschaftswissenschaften.

Oder Vincent van Gogh, der sich, vermutlich im ersten Schub seiner Schizophrenie, einen Teil seines linken Ohres abschnitt. Seine Gemälde beeinflussten die gesamte moderne Malerei und erzielen auf Auktionen Rekordpreise. Der Lyriker Friedrich Hölderlin, der Physiker Isaac Newton, der Dramatiker August Strindberg, der Philosoph Jean-Jacques Rousseau - sie alle litten wahrscheinlich an einer schizophrenen Psychose, und die Liste ließe sich fortsetzen.

Fachliche Beratung: Prof. Dr. Hans-Jürgen Möller, Direktor der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Ratgeber zum Thema Schizophrene Psychose wurde von der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH konzipiert und erarbeitet.