Archäologie:Es bleiben Rätsel

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Zudem haben die Forscher um Nolan noch das Erbgut der Mitochondrien untersucht, das sind Bestandteile von Körperzellen außerhalb des Zellkerns. Weil Kinder diese allein von den Müttern bekommen, erlaubt es Herkunftsanalysen. Atas Mutter stammte demnach aus der Gegend, wo seine Mumie gefunden wurde. Wann sie und ihr Kind lebten, ist indes ungewiss. Nolan schätzt das Alter der Mumie jedoch in Jahrzehnten, nicht in Jahrhunderten.

Die DNA in der Rippe sei viel besser erhalten gewesen, als er angenommen hatte. Er hatte bereits Hilfe bei Experten vom Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie angefragt, wo die Arbeitsgruppe von Svante Pääbo das Erbgut aus 70.000 Jahre alten Neandertaler-Knochen analysiert hat. Aber dann ging alles viel einfacher.

Trotzdem bleiben Rätsel: Nach den vorliegenden Daten ist Ata trotz seines kleinen Körpers womöglich nicht als Früh- oder Fehlgeburt zur Welt gekommen, bereits tot oder sterbend. Stattdessen zeigen Röntgenaufnahmen der Wachstumsfugen seiner Knochen, dass er sechs bis acht Jahre lang gelebt hat. "Er hat geatmet, gegessen, gestoffwechselt", sagt Nolan. Die Forscher prüfen nun, ob den Jungen womöglich eine oder mehrere seltene und schwere Krankheiten plagten: Zwergwuchs und ein dramatisch beschleunigtes Altern (Progerie) sowie eine charakteristische Verformung des Kopfes.

Doch eine Fehlgeburt?

Dann könnte Ata doch eine Fehlgeburt gewesen sein, wie es der Paläoanthroploge William Jungers von der Stony Brook University laut Science annimmt. Einen Hinweis soll eine weitere Untersuchung geben, die Nolan plant. Er will im Rest der Rippenprobe nach Hämoglobin suchen. Im Mutterleib hat ein Baby einen anderen Blutfarbstoff als nach der Geburt. Das Verhältnis zwischen fötaler und erwachsener Version könnte Rückschlüsse auf das Alter geben.

Zugleich will der Stanford-Forscher die Knochen auf einen erhöhten Gehalt von Arsen und Magnesium analysieren. Anthropologen haben ihm geschrieben, in Südamerika hätte man die beiden Elemente bei der Mumifizierung verwendet; sie könnten auch die Veränderungen an der Knochen erklären, die zurzeit auf Atas höheres Sterbealter deuten. Aber warum ein totgeborenes Kind mühevoll mumifiziert worden sein sollte, bleibt rätselhaft.

Den Hauptpersonen des Filmes "Sirius", für den Nolan die Mumie untersucht hat, kann das alles nicht recht sein. Er handelt von Ufo-Gläubigen wie dem Spanier Ramón Navia-Osorio aus Barcelona, der die Mumie gekauft hat, und Steven Greer aus den USA. Er hat dort die Disclosure-Bewegung gegründet, die von der Regierung fordert, ihr geheimes Wissen über Außerirdische zu veröffentlichen.

Die Forderung hat in Greers Version einen Dreh bekommen, der in die Zeit passt. Die Aliens müssten der These des Films zufolge über fortgeschrittene Technologie verfügen, um mit wenig Energie galaktische Distanzen zu überwinden. Auf Erden aber verhindere der Einfluss der Ölindustrie, dass die Regierungen der Welt Forschung in diese Richtung förderten oder auch nur zuließen.

Das Beweisstück Ata ist Steven Greer nun allerdings durch Nolans Arbeit abhandengekommen. Der Stanford-Forscher betont, dass er sich nicht gegen die Filmemacher durchsetzen musste. Steven Greer habe seine Schlussfolgerungen nach einem persönlichen Gespräch akzeptiert; der Film versuche auch nicht, die Laboruntersuchungen anders zu interpretieren als der Wissenschaftler.

"Ich habe von Anfang an betont, dass ich beweisen will, dass die Mumie menschlich ist", sagt Nolan. "Trotzdem gab es natürlich einen Teil von mir, der sich gewünscht hat, dass etwas Interessanteres herauskommt."

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