Alexander der Große Gral der Gräber

Kurzes Leben, unsterblicher Ruhm: Alexander der Große (356 bis 323 v. Chr.) im Mosaik aus Pompeji.

(Foto: dpa)

Über den legendären Feldherrn Alexander der Große gibt es viele Geschichten - aber wo wurde sein Leichnam begraben?

Von Veronika Wulf

Alexander der Große ist eine Legende, auch heute noch, 2300 Jahre nach seinem Tod - oder: gerade heute, in einer Zeit, in der schon von Legenden gesprochen wird, wenn doch nur Fußballer gemeint sind.

Alexander, der von 336 bis 323 vor Christus über Makedonien herrschte und ein Reich mit blutigem Schwert eroberte und zum größten des Altertums ausdehnte, wurde schon zu Lebzeiten und bald nach seinem Tod gefeiert als mutiger Feldherr, als scharfsinniger Stratege, als übermenschlicher Held.

Cäsar und Napoleon - denen es gewiss nicht an Selbstbewusstsein mangelte - schauten zu ihm auf. Heute leuchtet das Bild Alexanders, bei dessen Feldzügen Zehntausende zu Tode kamen, nicht mehr ganz so rosarot. Doch seine Legende lebt fort.

Alexander war kräftig, hatte gelocktes Haar und war mit etwa 1,60 Meter gar nicht mal so groß

Das liegt nicht nur daran, dass er in gut einem Jahrzehnt einen Großteil der damals bekannten Welt eroberte. Es hat auch damit zu tun, dass die zeitgenössischen Quellen fast völlig verloren sind. Und Legenden beginnen da, wo Quellen enden. Immerhin konnten die antiken Schriftsteller wie Plutarch, Diodor und besonders Arrian ihre Berichte noch auf diese Quellen stützen.

Doch ihre Berichte entstanden nahezu alle im ersten Jahrhundert nach Christus, Jahrhunderte nach dem Tod Alexanders. Seither hält das Interesse am König der Makedonen bis heute an. Er inspiriert Künstler, beschäftigt Literaten, bereitet Wissenschaftlern Kopfzerbrechen.

Einigermaßen sicher ist, dass Alexander kräftig war, gelocktes Haar hatte und mit etwa 1,60 Meter gar nicht mal so groß war wie sein Name vermuten lässt. Er hielt sich für göttlichen Ursprungs, ließ sich später die Füße küssen und verlangte sogar von Getreuen den Kniefall vor dem König. Sein Weinkonsum war beträchtlich, er soll aus Kelchen getrunken haben, die mehrere Liter fassten. Alexander litt später wohl an chronischen Kopfschmerzen durch Kampfverletzungen, die er mit Alkohol zu betäuben suchte. Er soll an die 50 Liter im Monat gesoffen haben.

Alkohol spielt auch bei jener Siegesfeier eine Rolle, als er seinem Freund und Lebensretter Kleitos im jähzornigen Streit die Lanze in den Leib rammte. Bei aller Brutalität und jäher Erregbarkeit war Alexander ein hochgebildeter Mann. Als Jugendlicher unterrichtete ihn der berühmte Philosoph Aristoteles. Unter Alexanders Kopfkissen lag die "Ilias", das Kriegsepos von Homer.

All das schreiben Historiker über den Eroberer mehr oder weniger einstimmig. Doch eine Frage kann keiner beantworten: Wo liegt Alexander der Große begraben?

Wo keine Leiche, da kein Grab, deshalb beginnt die Frage schon früher: mit Alexanders Tod. Schon darüber sind sich die Geschichtsschreiber nicht einig. Hat er drei Liter Wein hinuntergestürzt und ist anschließend an einer Alkoholvergiftung gestorben? Ist er seinen Kampfverletzungen und den langen Leberstrapazen erlegen? Wurde er vergiftet? War es die Malaria? Oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse?

Sicher ist: Im Mai 323 vor Christus gab es eine Feier in Babylon, im heutigen Irak. Alkohol war im Spiel. Danach litt der Kämpfer und Kampftrinker unter Fieber, 13 Tage später war er tot - kurz vor seinem 33. Geburtstag. Er war auf dem Höhepunkt seiner Macht, hatte gerade Persien und Indien erobert, als Nächstes wollte er Arabien einnehmen.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Alkohol der Feind war, der den legendären Feldherren letztendlich besiegte. Um das möglicherweise herauszufinden, bräuchten Wissenschaftler jedoch seinen Leichnam. Und der ist seit gut zweitausend Jahren verschwunden.

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Direkt nach Alexanders Tod, so berichten es die antike Quellen, soll seine Leiche eine Woche lang herumgelegen haben ohne zu verwesen. Sie habe noch nicht einmal gestunken, heißt es. Manche Mediziner heute gehen davon aus, dass der König lediglich im Koma lag und letztlich in der Hitze verdurstete. Andere Quellen glauben, der Alkohol habe seinen Körper konserviert.

Erst zwei Jahre nach seinem Tod sollte der Leichnam des Königs nach Makedonien, der Heimat Alexanders, überführt werden. In welchem Zustand Alexanders Überreste sich damals befanden, ist nicht überliefert. Die Mumie war mit Honig einbalsamiert worden.

Unterwegs aber entführte Alexanders einstiger General Ptolemaios den königlichen Leichnam und brachte ihn zunächst nach Memphis, bevor der verstorbene König im - nach ihm benannten - Alexandria in einem prachtvollen Mausoleum zur Ruhe gebettet worden sein soll. Später soll er in einem gläsernen Sarg aufgebahrt worden sein.

All das Umgebette des toten Königs hatte seinen Grund: Wer im Besitz der Königsmumie war, hatte einen Machtanspruch auf das gesamte Reich. Denn Alexander hatte vor seinem Tod keinen eindeutigen Nachfolger benannt, wohl aber einen Ort, an dem er gerne begraben worden wäre: im Tempel der ägyptischen Oase Siwa, wo ihm einst Priester bestätigten, dass er von Zeus-Ammon abstammte. Doch aus diesem letzten Wunsch wurde wohl nichts - zumindest wenn man der Alexandria-Version glaubt, die die meisten Historiker vertreten.

Oder war es doch ganz anders? Immer wieder verkünden Archäologen, das Alexandergrab gefunden zu haben - mal in Siwa, mal in Alexandria, sogar in Usbekistan und in - Nordaustralien! Zuletzt machte eine Grabstätte in Alexandria im Juli dieses Jahres Schlagzeilen.

Ein Sarg, in dem die Knochen von drei Menschen lagen

Der gefundene Sarkophag aus schwarzem Gestein war ungewöhnlich groß, wog 30 Tonnen und soll mehr als 2000 Jahre alt sein. Das nährte Spekulationen, es könnte sich um das vielgesuchte Alexandergrab handeln. Drei Wochen später fanden die Archeologen die Knochen dreier Personen in dem Sarg. Die von Alexander waren nicht dabei.

Auch 2014 herrschte Aufruhr um einen Grabhügel. Er liegt in Amphipolis im Norden Griechenlands und soll aus dem virten Jahrhundert vor Christus stammen. War das die letzte Ruhestätte von Olympia, der Mutter Alexanders, oder von seiner Frau Roxana oder gar seine eigene? Reporter pilgerten in die Kleinstadt, der griechische Premierminister sprach von einem "außerordentlich wichtigen Fund".

Doch auch hier wurde ziemlich bald klar, dass es nicht Alexander sein konnte, der hier begraben lag. Meter für Meter stießen die Archäologen tiefer ins Innere des Grabhügels vor, fanden Spuren einer Plünderung, Knochen einer Frau, ein paar Münzen. Die Berichterstattung ebbte ab.

Etwa ein Jahr später wurden die Ausgrabungen eingestellt. Die Gegenwart hatte die Vergangenheit eingeholt; Griechenland steckte in der Wirtschaftskrise. Es gab dringendere Ausgaben als jene für die Untersuchung eines Hügels, unter dem ein längst verstorbener Herrscher wahrscheinlich sowieso nicht begraben lag.

Das Alexandergrab, eine Art Gral der Archäologen, ist noch nicht gefunden. Die Legende lebt weiter.

Ergänzte Version des Textes aus der SZ vom 21.07.2018.

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