„Können wir es anstupsen?“ Das fragt die Forscherin bei der Entdeckung des goldenen Tiefsee-Blobs ihren Kollegen, wie ein Videomitschnitt von der Tauchroboterfahrt zeigt. Die US-amerikanische Ozeanerkundungsbehörde NOAA hat es veröffentlicht. Es zeigt den Livefeed von der Entdeckung des Blobs Ende August 2023 im Golf von Alaska.

Das goldfarbene Etwas, das an einem Felsen in 3250 Meter Tiefe klebte, wirkte auf die beiden Experten zunächst wie ein Schwamm, wie im Video zu hören ist. Auch eine Eihülle könnte es sein, wurde damals gemutmaßt, als die Aufnahmen bekannt wurden. Aber zufrieden waren die Fachleute mit der Erklärung nicht.
Die Wissenschaftler an Bord des NOAA-Schiffs Okeanos Explorer konnten das unbekannte Ding nicht nur mit dem Arm des Tauchroboters anstupsen, sondern auch einsaugen, an die Oberfläche holen und ins Smithsonian-Nationalmuseum für Naturgeschichte bringen. Dort ist es inzwischen als Teil der zoologischen Sammlung katalogisiert. Zwischenzeitlich schossen Spekulationen ins Kraut, es handele sich um ein Alien-Ei oder (weniger abstrus) eine neue irdische Lebensform.
Forschende an der US-amerikanischen Smithsonian Institution, zu der das Naturgeschichtsmuseum gehört, haben das goldene Rätsel mittlerweile genauer untersucht. Nach mehr als zwei Jahren Arbeit kommen sie nun zu dem Schluss: Es handelt sich um den Sockel einer großen Tiefseeanemone der Art Relicanthus daphneae. Normalerweise ist dieser Teil vom Rest des Tieres verdeckt, einem Arm und vielen kleinen Tentakeln. Die zugehörige Anemone zum Blob könne gestorben oder weitergezogen sein – zurück blieb der ungewöhnlich schimmernde Sockel.

Seine Ergebnisse hat das Team kürzlich als Preprint veröffentlicht. Die Wissenschaftler haben DNA-Analysen ebenso wie die Untersuchung der physischen Struktur des Objekts einfließen lassen. „Wir bearbeiten Hunderte verschiedene Proben, und ich ging davon aus, dass unsere Routineverfahren das Rätsel lösen würden“, sagt der beteiligte Zoologe Allen Collins in einer Pressemitteilung der NOAA. „Aber es hat sich als Sonderfall herausgestellt, der gezielte Anstrengungen und das Fachwissen mehrerer verschiedener Personen erforderte.“
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Die Forschenden fanden zunächst zwar keine typischen anatomischen Merkmale eines Tieres vor, aber geschichtete Fasern und Nesselzellen an der Oberfläche. Die erste schnelle DNA-Analyse, das sogenannte Barcoding, brachte kein eindeutiges Ergebnis, vermutlich war sie durch andere DNA verunreinigt. Erst die komplette Sequenzierung des Genoms zeigte, dass es sich um ein Tier handelte – eine Tiefseeanemone der Art Relicanthus daphneae.
