Affenpocken:Ein Festival auf Gran Canaria als möglicher Virenherd

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Affenpocken: Im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München ist erstmals in Deutschland eine Infektion mit den Affenpocken nachgewiesen worden.

Im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München ist erstmals in Deutschland eine Infektion mit den Affenpocken nachgewiesen worden.

(Foto: Christine Uyanik/Reuters)

Anfang Mai kamen 80 000 Menschen zum internationalen "Maspalomas Pride" auf die Urlaubsinsel. Nun untersuchen spanische Behörden laut einem Medienbericht, ob sich dort die Affenpocken ausgebreitet haben könnten.

Die spanischen Behörden gehen der Vermutung nach, dass Gay-Pride-Partys auf der Urlauberinsel Gran Canaria ein weiterer Ansteckungsherd für Affenpocken gewesen sein könnten. Das berichtet die Zeitung El País unter Berufung auf Quellen im Gesundheitssektor. An dem vor allem von homosexuellen Männern besuchten "Maspalomas Pride" nahmen vom 5. bis zum 15. Mai etwa 80 000 Menschen aus Spanien und vielen anderen Ländern teil, wie die Zeitung berichtete. Männer aus Italien, aus Madrid sowie von der Nachbarinsel Teneriffa, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, sollen an den Feierlichkeiten teilgenommen haben. Intimkontakte sind ein möglicher Übertragungsweg für das Virus.

Am Freitag hatten die Behörden die Madrider "Sauna Paraíso" geschlossen, weil sich auch dort mehrere Männer angesteckt haben sollen. In Spanien sind bisher 30 Affenpocken-Fälle nachgewiesen, wie Medien am Freitag berichteten. Zudem gibt es weitere 23 Verdachtsfälle. Zur Situation in Portugal schrieb die dortige Zeitung Público, dass inzwischen 23 Fälle bestätigt seien. Der erste in Deutschland erfasste Infizierte war von Portugal über Spanien nach Deutschland gereist - ob er sich in einem der beiden Länder ansteckte, ist noch unklar. Der 26-Jährige wird seit Freitag im Klinikum München-Schwabing behandelt - ihm geht es laut Ärzten gut.

Er hat sich mit der milderen westafrikanischen der zwei bekannten Virusvarianten angesteckt. Das hat die Genom-Analyse des Erregers am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr ergeben, wie das bayerische Gesundheitsministerium mitteilte. Das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung werde vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) derzeit als gering erachtet.

Infektionen mit dem Affenpocken-Virus werden aus immer mehr Ländern gemeldet. Fieber, starke Kopfschmerzen, Rücken- und Halsschmerzen, Husten, häufig auch Lymphknotenschwellungen sind mögliche Symptome. Typisch ist zudem ein vom Gesicht auf den Körper übergreifender Ausschlag. Meist verursacht das Virus nur milde Symptome, wie Mediziner erklären, es kann aber auch schwere, in Einzelfällen tödliche Verläufe nach sich ziehen. Übertragen wird es vor allem über direkten Kontakt oder Kontakt zu kontaminierten Materialien, auch eine - wohl sehr seltene - Übertragung über Tröpfchen in der Luft ist auf kürzere Distanzen möglich.

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