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Menschheitsgeschichte:Gebet am Rande der Sahara

Stierring

Unter den Funden ist auch ein Ring mit dem Bild eines Stierkopfs. Er zeigt, dass sich das Hochland von Äthiopien damals in einer Übergangsphase befand.

(Foto: Harrower, M. et al., Antiquity)
  • Die Kirche wurde im vierten Jahrhundert nach Christus gebaut, also etwa zur gleichen Zeit, als der römische Kaiser Konstantin I. das Christentum 313 nach Christus legalisierte.
  • Erstaunlich sind das Gebäude und weitere religiöse Funde wie Steinamulette mit Kreuzen, weil sie belegen, wie früh sich die neue Religion in Afrika ausgebreitet hat.
  • Der Fund vor allem des großen Sakralbaus deutet darauf hin, dass sich das Christentum schnell über Fernhandelsnetze verbreitete.

Die Luft ist staubig und trocken im Hochland Nordäthiopiens. Am Horizont erheben sich die Berge. In dieser Region haben Archäologen im Ort Beta Samati die Überreste der ältesten christlichen Kirche südlich der Sahara ausgegraben. Etwas mehr als 18 Meter lang und 12 Meter breit war das religiöse Gebäude einst, entstanden in Form einer Basilika im vierten Jahrhundert nach Christus, also etwa zur gleichen Zeit, als der römische Kaiser Konstantin I. das Christentum 313 nach Christus legalisierte.

Erstaunlich sind das Gebäude und weitere religiöse Funde wie Steinamulette mit Kreuzen, weil sie belegen, wie früh sich die neue Religion in Afrika ausgebreitet hat, schreibt ein internationales Forscherteam um den US-amerikanischen Archäologen Michael Harrower von der Johns-Hopkins-Universität im Fachmagazin Antiquity.

Die Siedlung Beta Samati mit Kirche und Wohn- und Lagerhäusern haben einst die Aksumiten erbaut, ein rätselhaftes Volk, das in der Spätantike im Nordosten Afrikas ein Handelsimperium etablierte. Der Fund vor allem des großen Sakralbaus aus dem vierten Jahrhundert nach Christus deutet darauf hin, dass sich das Christentum schnell über Fernhandelsnetze verbreitete. Aksum war damals ein wichtiger Knotenpunkt auf dem Weg vom Mittelmeer über das rote Meer nach Zentralafrika und Südasien.

Der Ort war ein Umschlagplatz für Olivenöl, Silber und Wein aus dem Mittelmeerraum

Die ersten Spuren von Beta Samati entdeckten die Forscher 2009, weitere Grabungen folgten. "Das Reich von Aksum war eine der einflussreichsten antiken Zivilisationen", sagt Harrower. "Aber wir wissen wenig über diese Kultur." Bekannt ist nur, dass es ein Umschlagplatz für Silber, Olivenöl und Wein aus dem Mittelmeerraum und Eisen, Glasperlen oder Früchte aus Städten am Indischen Ozean war.

Unter den Funden sind - neben den christlich geprägten Artefakten - auch einige Schmuckstücke wie ein Gold- und Karneolring mit dem Bild eines Stierkopfs sowie weitere Darstellungen von Rindern. Diese zeigen, dass sich das Hochland von Äthiopien damals in einer Übergangsphase befand. Vorchristliches, heidnisches Denken war zu dieser Zeit ebenso vorhanden wie römische Einflüsse und eben die Hinweise auf erste christliche Traditionen. Auf einem Steinanhänger beispielsweise war ein Kreuz und das alte äthiopische Wort "ehrwürdig" geschnitzt.

Nahe der östlichen Mauer der Kirche stießen die Archäologen auf eine Inschrift mit der Bitte, "Christus möge gütig zu uns sein". Rund um die Kirche fanden sich auch einige weltliche Gegenstände, Tierfiguren und Siegel, die sehr wahrscheinlich in der Verwaltung verwendet wurden. Die Basilika war also offenbar kein rein religiöser Ort, zudem ein Schmelztiegel für verschiedene kulturelle Einflüsse. "Wir finden eine ungewöhnliche Mischung aus heidnischen und frühchristlichen Elementen", sagt Harrower.

Bislang hatte es nur einen vagen Bericht gegeben, wie Äthiopien ein christliches Reich wurde. Ein griechischsprachiger Missionar namens Frumentius solle Mitte des vierten Jahrhunderts den aksumitischen Herrscher Ezana bekehrt haben. In Beta Samati fanden die Forscher erstmals konkrete Hinweise, wie so etwas im Alltag spürbar wurde, als bunter Mix verschiedener Traditionen. Die Region war etwas, was Archäologen "Kontaktzone" nennen, ein Austauschort verschiedener Kulturen.

Die Archäologen wollen nun in Beta Samati im Hochland Äthiopiens weitere Belege für die weitverzweigten antiken Handelsnetze finden und so auch mehr über die Machtstrukturen des geheimnisvollen aksumitischen Königreichs erfahren. Besonders ist die Region allemal. Die christliche Tradition hat bis heute im Hochland Äthiopiens Bestand.

© SZ vom 18.12.2019/fehu
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