Ärzte warnen vor Elektroschockern Weltweit bereits drei Millionen Mal eingesetzt

Der Hersteller der X26 hält Zipes Analysen für nicht schlüssig und verweist darauf, dass Taserwaffen weltweit bereits drei Millionen Mal zum Einsatz gekommen seien. Doch genau darin sehen Kritiker die Gefahr: Weil Nutzer sie für nicht tödlich halten, sinkt die Hemmschwelle beim Einsatz.

Ein 2008 von Amnesty International veröffentlichter Bericht lässt ahnen, dass manche Polizisten in den USA die Elektroschockwaffe anwenden wie einen Schlagstock oder ein Paar Handschellen. In Ohio wurde ein neunjähriger Junge mit Elektroschocks traktiert.

Besonders tragisch verlief ein Einsatz, nachdem ein Arzt am Steuer seines Autos einen epileptischen Anfall erlitten hatte. Weil er den Anweisungen der Autobahnpolizei nicht Folge leistete (oder leisten konnte), wurde er am Fahrbahnrand des Highways getasert - und starb kurze Zeit später.

Das amerikanische Justiz-Institut NIJ, eine Beratungsbehörde des US-Justizministeriums, betont unterdessen die Vorteile der Taserwaffen, von denen bislang rund 260.000 Stück an die Sicherheitsbehörden der USA ausgegeben wurden. Sowohl Polizisten als auch Verdächtige seien deutlich seltener nach einem Einsatz verletzt, wenn Taser benutzt wurden, erklärt die Behörde in einem Untersuchungsbericht.

Die Gefahr, dass ein Elektroschocker zum Tode führt, liege "unter 0,25 Prozent". Diese Zahl findet sich prompt auch auf der europäischen Website des Herstellers Taser International.

In Deutschland sind indes noch wenige Polizisten mit Taserpistolen ausgestattet, die meisten sind SEK-Beamte, etwa in Berlin, Hamburg oder Sachsen-Anhalt. Die Bundespolizei verfügt noch nicht über Taserpistolen.

In der Schweiz wurden 2011 insgesamt 18 Verdächtige getasert. Offenbar herrscht in Europa noch Zurückhaltung mit einer Waffe, die wohl nicht ganz so nichttödlich ist, wie sie sein sollte.