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Älteste Höhlenmalerei der Welt entdeckt:Eine Lanze für den Neandertaler

Einer der beteiligten Forscher, João Zilhão von der Universitat de Barcelona, hält es für sehr wahrscheinlich, dass nicht die gerade in Europa angekommenen modernen Menschen die rote Scheibe gemalt haben. Er tippt vielmehr auf ihre nahen Verwandten. Schließlich hätten die Neandertaler auch schon Schmuck anfertigten und Ocker nutzten, um sich selbst zu bemalen.

Höhlenmalerei vor Besiedlung Europas erfunden

Handabdrücke und andere Zeichnungen haben Menschen oder Neandertaler an den Wänden der Höhle El Castillo in Spanien hinterlassen. Eine rote Scheibe wurde auf ein Alter von mindestens 40.800 Jahrer datiert - die älteste bekannte Zeichnung der Welt.

(Foto: dpa)

Die Datierung gibt tatsächlich nur ein Mindestalter an - und die Neandertaler hatten in El Castillo und andernorts schon lange vor der Ankunft des Homo sapiens Gelegenheit, ihre Spuren zu hinterlassen. Davon gehen auch spanische Forscher um José Luis Sanchidrián von der Universidad de Córdoba aus. Sie berichteten kürzlich von Robbenzeichnungen in einer Höhle bei Málaga, die ihrer Einschätzung nach sogar mehr als 42.000 Jahre alt sein sollen und demnach auf Neandertaler zurückgehen müssten. Allerdings hatten sie nicht das Alter der Felszeichnungen selbst datiert, sondern Reste von Holzkohle, die sie in der Nähe der Bilder entdeckt hatten.

Experten wie der Brite Thomas Higham von der University of Oxford halten das zwar nicht für ausgeschlossen. Doch da das Alter der roten Scheibe zeitlich mit dem Auftreten des modernen Menschen in Europa zusammenfällt, halte er es für wahrscheinlicher, dass dieser tatsächlich Urheber des Kunstwerks sei, erklärte er ScienceNow.

Wie Pettitt, Pike und ihre Kollegen in Science berichten, sprechen ihre Ergebnisse dafür, dass die ersten europäischen Künstler weniger an der Darstellung von Tieren oder anderen Objekten interessiert waren und sich auf einfachere Motive, Punkte, Scheiben und Handabdrücke beschränkten. Das einzige Beispiel von Höhlenmalerei, das nicht in dieses Bild passe, seien die Zeichnungen in der Höhle von Chavet in Frankreich. Die komplexen Bilder etwa von Pferden sollen mehr als 32.000 Jahre alt sein. Die Datierung hält Pettitt jedoch für falsch.

Französische Wissenschaftler halten dagegen, dass das Alter der Chavet-Bilder durch etliche Untersuchungen bestätigt worden sei. Sie stellen nun die aktuellen Datierungen der Bilder in den spanischen Höhlen in Frage. Schließlich sei es möglich, dass Uranisotope nach der Entstehung der Kalkschichten durch Wasser ausgewaschen wurden, sagte etwa Helene Valladas vom Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement in Gif-sur-Yvette. Dann würden die darunter liegenden Objekte älter erscheinen, als sie sind.

© Süddeutsche.de/infu

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