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Älteste Fußspuren außerhalb Afrikas:Frühmenschen am Strand

Fußabdrücke Homo Antecessor, Harrisburgh, England

Fußabdruecke von Homo antecessor in Happisburgh, Großbritannien

(Foto: Nick Ashton, British Museum)

Forscher rätseln über die bislang ältesten Fußspuren außerhalb Afrikas. Wer stapfte da vor 800 000 Jahren am Strand des heutigen England umher? Möglicherweise eine Familie auf der Jagd.

Es geht um 49 Fußabdrücke im Schlicksand an der Küste von Happisburgh in England. Forscher um Nick Ashton vom British Museum glauben, dort die ältesten Fußspuren von Menschen außerhalb Afrikas entdeckt zu haben, die Vertiefungen im Schlicksand eines ehemaligen Flussdeltas sind rund 850 000 Jahre alt (Plos one). Solche Abdrücke sind extrem selten, und wenn die Annahmen stimmen, gehören sie zu einer Gattung von Frühmenschen, dem Homo antecessor, der damals im Norden Europas lebte und vor rund 600 000 Jahren ausstarb. Damals war England noch über eine Landbrücke mit dem Festland verbunden. Die Fußspuren sind etwas größer als die bislang ältesten bekannten Abdrücke der Menschheitsgeschichte, die 3,66 Millionen Jahre alten Spuren von Vormenschen der Gattung Australopithecus afarensis, entdeckt im Vulkangestein von Laetoli in Afrika.

Erst Anfang vergangenen Jahres hatten Winterstürme ein Stück des Strandes weggespült und so die Fußabdrücke ans Licht gebracht. Im Mai 2013 präparierten die Forscher dann in der uralten Schicht aus zusammengepresstem Schlicksand und Kies einen Abschnitt von zwölf Quadratmetern frei, fotografierten die Vertiefungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und errechneten daraus dreidimensionale Rekonstruktionen der Fußabdrücke. Sie konnten immer nur während der Ebbe Bilder machen, mussten schauen, dass das Meer nicht ständig neuen Sand und Wasser in die Vertiefungen spülte.

Eine Familie auf der Jagd?

Bei der Analyse der Spuren ergaben sich bestimmte Muster von Abdrücken, aus denen die Forscher auf eine Gruppe von fünf Individuen schlossen. Darunter waren ein gut 50 Kilogramm schwerer Mann von 1,73 Meter Größe, eine fünf Zentimeter kleinere Frau und drei Kinder. Solche Zahlen seien grobe Schätzungen aufgrund von Vergleichen mit heute lebenden Menschen, schreiben die Anthropologen. Die Jagdgruppe sei im Flussdelta in südlicher Richtung unterwegs gewesen.

Fussabdruecke von Homo antecessor in Happisburgh, Großbritannien

So sieht das Gebiet von oben betrachtet aus

(Foto: Nick Ashton, British Museum)

In der Nähe hatten die Forscher schon Hinweise auf menschliche Besiedlung gefunden, vor allem Feuersteinspitzen und Tierknochen, etwa von Mammuts und von ausgestorbenen Pferden. Sie rekonstruierten aufgrund von Pollenanalysen die Umgebung. Die Gruppe lebte wohl in offener Gras- und Heidelandschaft, wie sie typisch war für Beginn oder Ende einer Zwischeneiszeit.