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Aderlass & Co:Bluten für die Gesundheit

Schröpfen

Auch beim "Schröpfen" handelt es sich um ein obsoletes Verfahren. Hierbei wird die Haut des Patienten beidseitig der Wirbelsäule mit einem Skalpell kreuzförmig angeritzt ("skarifiziert"). Auf die blutende Stelle wird eine glockenförmige Glaskuppel mit fünf bis sechs Zentimetern Durchmesser aufgesetzt.

Diese Kuppel, der sogenannte Schröpfkopf, wird zuvor mit Hilfe eines brennenden Wattebausches vakuumiert, so dass beim Aufsetzen Sog auf die Haut ausgeübt wird (wahlweise werden auch Plastikschröpfköpfe verwendet - "Heilsauger" -, bei denen der Sog durch Zusammendrücken der Kuppel entsteht).

Der Schröpfkopf füllt sich innerhalb weniger Minuten mit Blut, was eine ähnliche Heilwirkung freisetzen soll wie der Aderlass. Allerdings ist das Schröpfen als genauso unsinnig zu bewerten und geht mit den gleichen Risiken einher wie dieser.

Auch in seiner "unblutigen" Form, bei der die Haut nicht angeritzt wird, sondern durch den Vakuumsog lediglich Blutergüsse auf der Haut hervorgerufen werden - es soll dies bei Durchblutungsstörungen, Rückenschmerzen, Asthma und sogar Tuberkulose hilfreich sein -, ist das Schröpfverfahren völlig untauglich.

Die Behauptung, es ließen sich durch die auf den Rücken aufgesetzten Schröpfköpfe "reflektorisch" innere Organe erreichen, ist doppelter Unsinn: Derlei Reflexbahnen gibt es nicht.

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