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50 Jahre Nasa:Hase und Igel im All

Die Nasa wurde vor dem Hintergrund des Kalten Krieges gegründet. Inzwischen kooperieren die einstigen Gegner - zum Wohle der Wissenschaft.

Es war wie der Wettlauf zwischen Hase und Igel. Egal was die Amerikaner anstellten, die Sowjets waren bereits da: Der Abschuss der ersten Interkontinentalrakete. Der erste Satellit in der Erdumlaufbahn. Die erste Datenübertragung vom Weltall zur Erde. Das Piepsen des Sowjetsatelliten Sputnik im Jahr 1957 klang wie Hohn für die Amerikaner.

16. Juli 1969: Start der Apollo-11-Mission.

(Foto: Foto: Reuters)

1958 wollte US-Präsident Dwight D. Eisenhower dem erfolglosen Treiben seiner Raketentechniker nicht länger zusehen. Am 29. Juli, vor genau 50 Jahren, unterschrieb Eisenhower ein Gesetz, mit dem er eine neue Regierungsorganisation ins Leben rief: die National Aeronautics and Space Administration, kurz Nasa, die Raumfahrtagentur der USA.

Eisenhowers Superbehörde sollte die gesamten nichtmilitärischen Weltraumaktivitäten des Landes bündeln. Das war nicht nur wegen der Fortschritte beim Rivalen UdSSR dringend nötig: Das amerikanische Raumfahrtprogramm hatte in den 1950er-Jahren massiv unter internen Kompetenzstreitigkeiten gelitten.

Die US-Luftwaffe wollte mit umgebauten Interkontinentalraketen ins All, die Forschungsabteilung der Marine setzte auf eine modifizierte Höhenrakete, die Armee vertraute auf den deutschen Ingenieur Wernher von Braun und seine Weiterentwicklung der Nazi-Waffe V-2. Wirklich erfolgreich war niemand.

Vor allem die Marine erlangte einen fatalen Ruf durch eine Reihe spektakulärer Fehlstarts. Aber auch das Heer und die Luftwaffe konnten Eisenhower nicht überzeugen, da sie seiner Vision von einer friedlichen Nutzung des Weltalls im Wege standen.

Dann kam die Nasa, der Neuanfang. Eine ausdrücklich zivile Organisation, die dem neuen Gesetz zufolge "friedlichen Zwecken zum Wohle der gesamten Menschheit" dienen sollte. Doch Beobachter in Washington rechneten damit, dass der Chef der eher militärisch ausgerichteten Vorgängerorganisation NACA (National Advisory Committee for Aeronautics) auch zum ersten Chef der neuen Behörde ernannt würde. Es kam anders. "Die 43 Jahre alte NACA wurde von vielen als zu lethargisch angesehen, um mit den anstehenden Aufgaben fertig zu warten und den nötigen Neuanfang zu garantieren", sagt Nasa-Chefhistoriker Steven Dick.

Die Sowjets sind schneller

Eisenhower suchte eine Mischung aus findigem Wissenschaftler und Kaltem Krieger, jemand, der sowohl die psychologischen Folgen des Sputnik-Schocks als auch die technologische Rückständigkeit der Amerikaner überwinden konnte. In Keith Glennan, einem Republikaner, Elektrotechniker und Präsidenten des Case Institute of Technology in Ohio, wurde er fündig.

Am 1. Oktober 1958 nahm die Nasa mit 8000 Angestellten, drei großen Forschungszentren und einem Budget von 1,8 Milliarden Dollar (an die heutige Kaufkraft angepasst) den Betrieb auf. Schon sechs Tage später stellte Glennan das Mercury-Projekt vor, das den ersten Amerikaner ins All befördern sollte. Sechs Monate später präsentierte die Nasa ihre ersten Astronauten: die "Mercury Seven", alle militärische Testpiloten mit Hochschulabschluss. Trotz ihres zivilen Charakters ist die Nasa ein Kind des Kalten Krieges, und Astronauten noch keine Wissenschaftler. Der erste Zivilist wird erst 1972 ins All fliegen.

Doch die Behörde wuchs kontinuierlich. Zuvor dem Militär unterstellte Labors werden einverleibt, darunter das Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, und 1960 nach heftigem Widerstand der Armee auch die 4000 Mann starke Raketenbau-Gruppe um Wernher von Braun - mitsamt ihrem ehrgeizigsten Projekt, der mächtigen Saturn-Rakete.

Laika und Gordo

An der sowjetischen Übermacht im "Space Race", dem Hase-und-Igel-Rennen der Supermächte, ändert das allerdings wenig. Im Dezember 1958 schießen die Amerikaner mit dem Äffchen Gordo ein Tier ins All, das bei der Landung im Südatlantik ertrinkt.

Mehr als ein Jahr zuvor hatten die Sowjets allerdings bereits die Hündin Laika auf einen Oneway-Flug in den Orbit geschickt. Im März 1959 startet nach vielen Explosionen mit Pioneer 4 die erste US-Sonde zum Mond. Sie verfehlt das Ziel um 60.000 Kilometer.

Zwei Monate zuvor waren die Sowjets in nur 5000 Kilometer Entfernung am Erdtrabanten vorbeigerauscht. Und im Mai 1961 fliegt mit AlanB. Shepard Jr. der erste Amerikaner ins All - einen Monat nach dem Russen Juri Alexejewitsch Gagarin. Der Kosmonaut legt bei seinem Flug fast 40.000 Kilometer zurück, der Astronaut nur 450 Kilometer. Der Sowjet ist fast 90 Minuten schwerelos, der Amerikaner gerade einmal fünf. Für die USA ist Shepards Flug Erfolg und Erniedrigung zugleich.