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Zyperns Finanzminister:"Wir haben die Wirtschaft nicht in eine Abwärtsspirale getrieben"

Harris Chr. Georgiades, Finanzminister, Zypern

"Ich hatte mir mehr versprochen", sagt Zyperns Finanzminister Harris Georgiades über die Veränderung der politischen Kultur des Landes nach der Krise.

(Foto: www.roggenthin.de)

Die Rettung Zyperns nach der Finanzkrise scheint geglückt. Finanzminister Georgiades erklärt, was sein Land anders gemacht hat als Griechenland.

Interview von Mike Szymanski

Harris Georgiades scheint nur zu glauben, was er schriftlich vorliegen hat. Das gilt selbst für seine eigenen Erfolge. Also springt er wieder und wieder aus seinem Ledersessel auf und eilt zum Schreibtisch, Zettel mit Grafiken holen. In nur einem Jahr nach Ausbruch der Schuldenkrise hat der Finanzminister Zyperns das Haushaltsdefizit auf null zurückgefahren. "Schauen Sie", sagt er und zeigt auf blaue Schulden-Balken, die beginnend mit dem Jahr 2014 immer mehr verschwinden.

Im Jahr 2013 war Zypern kollabiert, musste mit EU-Milliarden gerettet werden. Sparer bezahlten mit einem Teil ihrer Einlagen die Sanierung. Ein Novum. Und ein Schock. Jetzt benötigt die Insel den EU-Rettungsschirm nicht mehr. Die Zypern-Rettung scheint geglückt. Das ist auch der Triumph des 44-jährigen Wirtschaftswissenschaftlers. Im Gespräch erklärt er, warum es manchmal wichtig ist, einfach zu handeln - anstatt immer nur zu verhandeln.

Georgiades erzählt, dass sein Land vieles besser gemacht hat als Griechenland. "Wollen Sie wissen, warum wir so schnell waren", fragt er. "Wir wollten der Troika gar nicht erst die Gelegenheit geben, nach zusätzlichen Steuern zu verlangen. Wir wollten keine ständigen neuen Verhandlungen. Wir wollten den Bürgern zeigen, dass ein Ende absehbar ist, dass die Situation unter Kontrolle ist. Damit zog auch der Konsum wieder an, und das Vertrauen der Investoren kehrte zurück."

Aber wie haben die Menschen in seinem Land die schweirige Zeit gemeistert? "Die Bürger sind auf sehr reife Art und Weise mit der Krise umgegangen", sagt Georgiades. "Sie haben erkannt, dass es nicht hilft, die Schuld bei anderen zu suchen."

© SZ.de/vit

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