Zypern-Debatte und Europas Zukunft:Ah, die Russen!

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Natürlich geht das nicht ohne Rauchentwicklung ab, Fahnengeschwenke und dunkles Raunen in hundert Talkshows. Ein beliebtes Sujet ist die Warnung vor den möglicherweise kreditgebenden Russen. Ah, die Russen! Auch sie steigen auf aus dem wabernden Nebel der Ängste des 20. Jahrhunderts. Moskau könnte sich Einfluss auf Zypern erkaufen, gar einen Marinestützpunkt . . . Na und?

Wenn Wladimir Putin gerne für teures Geld graue Schiffe mit Flugkörpern ins Mittelmeer schicken will, soll er das tun. Weder wird dadurch sein semiautoritäres Staatssystem attraktiver, noch muss man auf Rhodos, in Bodrum oder Limassol fürchten, dass die Russen landen. Alle Russen, die da hinwollen, sind längst dort, zumal jene, die mithilfe des zyprischen Bankensystems ihre Kohle zu wahnsinnig günstigen Konditionen in Euro angelegt haben. Sollte Moskau den Zyprern Kredite geben, dann nicht, weil es "Zugang zum warmen Meer" haben möchte, sondern weil es jene Quellen retten möchte, an denen sich seine Staatsbürger zum Nachteil der EU, aber zum Vorteil Zyperns gelabt haben.

Lehren aus der Zypern-Krise

Zyperns Euro-Krise hat wenig mit dem unterschiedlichen ökonomischen Niveau in der EU zu tun, kaum etwas mit dem Merkelschen Sparverständnis und nichts mit Brüsseler Gängelung. Nationale Banken haben im Windschatten der Euro-Mitgliedschaft des Inselstaates Investoren lukrative Geldgeschäfte angeboten, die sich die Banken letztlich nicht leisten konnten und die jetzt den Staatshaushalt gefährden. Weil die europäische Integration noch nicht weit genug fortgeschritten ist, hat es der EU an Bewusstsein und Möglichkeiten gemangelt, solche Hasardspiele früher zu verhindern.

Aus der Zypern-Krise ist dreierlei zu lernen. Sie gefährdet Europa nicht. Sie muss gelöst werden unter deutlicher Beteiligung der Verursacher, also der zyprischen Banken sowie jener Anleger (nicht Sparer), die von diesem Geschäftsgebaren spürbar profitiert haben. Und schließlich: Europa muss stärker und sanktionsfähiger werden, auch und gerade wegen mancher Mir-san-mir-Staaten.

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