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Zwischen den Zahlen:Wie zwei Pole

Es gibt jetzt eine Dating-App nur für Tesla-Fahrer. Doch selbst wenn es zwischen Spritztour und Supercharger funkt, bleiben da ein paar Probleme.

Von Felicitas Wilke

Das erste Date? Eine romantische Spritztour im Model S. Anfangs geht es ziemlich geräuschlos voran, keiner sagt was, es funkt einfach nicht. Doch als der Fahrer in der Pause lässig am Supercharger lehnt und den Wagen auflädt, nimmt die Beifahrerin doch ihren Mut zusammen. Ob sie gemeinsam aufs Ganze gehen wollten, von null auf 100 in 2,5 Sekunden? Er will. Die Augen der beiden leuchten in "deep blue metallic". Happy End auf der A9 bei Münchberg-Nord.

Gleich und gleich gesellt sich gern. Es gibt Partnerbörsen "für Akademiker und Singles mit Niveau", was sich durchaus widersprechen kann, für Gamer, für Miesmuffel und für Rothaarige. Ein kanadischer Gründer hat jetzt eine Dating-App für Suchende entwickelt, die ihr Elektroauto verbindet. Nicht irgendeins natürlich, sondern ein Tesla. Das Auto, das auf fast schon erotisierende Weise eine Luxuskarre mit Ökolatschen-Lifestyle zu verknüpfen scheint. Ajitpal Grewal, dem Mann, der die App entwickelt hat, war aufgefallen, wie gern sich viele Tesla-Besitzer über dessen Vorzüge austauschten. Viele würden die "gleichen Werte" teilen, etwa ein größeres Umweltbewusstsein und die Begeisterung für den, nun ja, eigenwilligen Gründer Elon Musk.

Dass die Verehrung für einen gemeinsamen Guru eine eher ungesunde Basis für eine Beziehung zu sein scheint? Geschenkt. Dass eine dicke Limousine auch als Stromer nicht das umweltfreundlichste Gefährt ist? Egal, wenn es um die Liebe geht, muss die CO₂-Bilanz zurückstecken. Doch was wirklich Sorge bereitet, ist die Zukunft der Liebenden an der A9-Tanke. Sollten sie sich weiter wie zwei Pole anziehen und irgendwann fortpflanzen - nennen sie die E-Auto-Fahrerin der Zukunft dann X Æ A-XII, so wie ihr Idol Elon Musk seinen jüngsten Sohn? Dem Kindeswohl zuliebe empfiehlt sich ein Blick über den Tellerrand, etwa nach Tschechien zum bodenständigen Autobauer Škoda. Dort tragen die Modelle klangvolle Namen wie Fabia oder Scala. Es lebe der Hybrid!

© SZ vom 22.08.2020

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