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Zwischen den Zahlen:Solides Mittelfeld

Die Deutsche Bank ist bei Eintracht Frankfurt gelandet. Sie sponsert den Verein mit drei bis vier Millionen Euro jährlich. Und bekommt dafür den "Deutsche Bank Park". Eine interessante Partnerschaft für den als bieder geltenden Verein.

Wann wird in Deutschland wieder Fußball gespielt, und zwar so richtig, also mit vielen Zuschauern, Fangesängen und Stadionwurst? Das kann gerade niemand sagen - im Sommer, im Herbst oder erst im kommenden Jahr. Und welche Bundesligavereine sind dann überhaupt noch dabei? Einige Klubs könnten vielleicht bald pleite sein, wenn die Ticketeinnahmen, die Sponsorengelder und die vielen Millionen aus dem Verkauf der Fernsehrechte an Sky und andere plötzlich wegfallen.

Aber eines ist wenigstens schon klar: Die Eintracht aus Frankfurt muss künftig nicht mehr in der Commerzbank-Arena auflaufen oder gar, wie viele Jahre lang, im schnöden Waldstadion. Die Kicker empfangen nun im "Deutsche Bank Park". Corona-Krise? Wirtschaftsabschwung? Alles egal, Deutschlands größtes Geldinstitut hat in dieser Woche die neue Partnerschaft mit den Frankfurter Fußballern offiziell gemacht, von Juni an und vorerst bis 2027. Pro Jahr soll das die Banker zwischen drei und vier Millionen Euro kosten.

Das ist doch ein guter Preis für einen soliden Platz im Mittelfeld. Auf Platz zwölf liegt die Frankfurter Eintracht nämlich auf der quasi eingefrorenen Bundesligatabelle nach dem 25. Spieltag - etwa gleich weit entfernt von der Champions-League-Qualifikation und einem sicheren Abstiegsplatz; was man von der Deutschen Bank ja nicht sagen kann. Wenn Kreditinstitute Stadien sponsern, klang das bisher so: Im nahen Offenbach wird im "Sparda-Bank-Hessen-Stadion" gekickt, in Aue tief in Sachsen lief Erzgebirge Aue bis 2017 im "Sparkassen-Erzgebirgsstadion" auf, in Altenburg/Thüringen finden Spiele in der "Skatbank-Arena" statt, die früher Leninstadion hieß.

Jetzt also der "Deutsche Bank Park". Das schmückt doch, klingt international, nach verlorenen Milliarden, nach weltweiter Banken- und Finanzkrise, nach Skandalen und Prozessen, nach angeblicher Finanzierung der Geschäfte von Donald Trump, nach Arbeitsplatzabbau und verzweifelter Strategiesuche. Von so was konnte die Sportgemeinde Eintracht mit ihrem biederen Image bisher nur träumen.

© SZ vom 04.04.2020

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