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Zwischen den Zahlen:Nix zu lachen

Beim Daimler-Aktionärstreffen geht es wie immer um die Wurst - diesmal aber auch um die Pizza. Und um Autos, die einfach nicht laut genug röhren.

Von Stefan Mayr

Zu 99 Prozent ist so eine Hauptversammlung ja eine höchst unlustige Veranstaltung. Die Vorträge von Vorstand und Aufsichtsrat werden von den Konzernjuristen durchgeröntgt und glatt geschliffen, auf dass sie bloß keine rechtlichen Nachwirkungen haben. Und bei den Fragen der Aktionäre gibt es auch nix zu lachen - meistens. Das virtuelle Aktionärstreffen der Daimler AG am Mittwoch dauerte sieben Stunden, es ging um Nettoliquidität, währungsbereinigte Ebit-Margen und um: Saitenwürstle.

Nein, diesmal gab es keine Keilerei bei der Essensausgabe. Keine Präsenzveranstaltung, kein Buffet, kein Zoff. Aber ein (mutmaßlich schwäbischer) Aktionär wollte das Thema so schnell nicht abhaken. Er erkundigte sich, wie Daimler gedenke, die ausgefallene "Naturaliendividende" im kommenden Jahr zu "kompensieren". Aufsichtsratschef Manfred Bischoff ging auf das Ansinnen mit der ihm eigenen Souveränität ein: Er ignorierte es nicht einmal.

Eine andere ungewöhnliche Frage wurde dagegen sehr akkurat beantwortet. Ein Anteilseigner wollte wissen: Was war Ihr kuriosester Rechtsstreit? Renata Jungo Brüngger, im Daimler-Vorstand verantwortlich für das Ressort Integrität und Recht, erzählte sehr ernsthaft folgende Geschichte: Zwei Geschäftsführer eines Pizza-Lieferdienstes wollten ihre Mercedes-Boliden aus der Werkstatt der Tuning-Tochter AMG zurückgeben. "Weil sie nicht laut genug waren."

Weitere Details nannte sie leider nicht. Auch auf Nachfrage erteilt Daimler keine Auskunft - "aus Daten- und Kundenschutzgründen". Man muss sich also seinen eigenen Reim machen: Lässt dieses Vorgehen Rückschlüsse auf die Mentalität des durchschnittlichen Pizzalieferdienst-Geschäftsführers zu? Oder haben die zwei Beschwerdeführer einfach den Knopf nicht gefunden, der den AMG-Motor extra laut krachen lässt? Das Feature heißt "Emotion Start". Tja, egal wie tief man bohrt: Am Rande einer Hauptversammlung gibt es nicht wirklich viel zu lachen.

© SZ vom 11.07.2020

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