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Zwischen den Zahlen:Kinder, Kinder

Für Eltern wird das Leben teuer. Wer's noch nicht wusste, den klärt eine Analyse auf. Um wie viel Geld es bis zum Ende der Ausbildung geht und was das mit Massagen und Therapeutengesprächen zu tun hat, steht hier.

Von Lea Hampel

Dieser Tage wurde eine bekannte Tatsache erneut mit Zahlen unterfüttert: Kinder brauchen Dinge, darum müssen Eltern Geld ausgeben. "Wer kann sich ein Kind leisten" steht in der Analyse der Onlinehandel-Experten der Plattform Picodi; dazu Sätze wie: "Die Vorbereitung einer Wohnung für ein neues Familienmitglied erfordert solide Kosten." Für Schwangerschaft und erstes Jahr kommen die Analysten nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf 3127 Euro. Das wirkt nicht einmal hoch, denn "bis zum vollendeten 18. Lebensjahr" werden pro Kind 130 000 Euro veranschlagt, und die Bayerische Verbraucherzentrale setzt sogar 230 000 Euro an, wenn das Kind zu Ende studiert. Nicht auszudenken, wie teuer Kinder sind, die nicht zu Ende studieren!

Nun kann man über weniges so streiten wie die Frage, was Kinder brauchen (Süßigkeiten, Konsequenzen?) und wie viel davon. Die Fragen sind zudem komplexer geworden: Reicht eine offene Zimmertür, um das schlafende Kind zu hören, oder braucht es ein Babyfone? Sollte letzteres auch die Temperatur messen und eine Kamera haben? Aber abgesehen davon, dass viele Waren für wenig Geld gebraucht zu erwerben sind und es Kinder schon vor Kameras gab, sind auch ökonomisch betrachtet sämtliche Zahlen realitätsfern, nicht nur angesichts entfallender Erwerbsarbeit. Rechnet man alle Massagen und Therapeutengespräche ein, mit denen sich viele ihr Elternsein erleichtern: Es müssen Millionen sein.

Immerhin, auch die gute Nachricht lässt sich ökonomisch formulieren. Kinder verursachen sinkende Grenzkosten. Wer bisher dachte, das liege daran, dass Hosen aufgetragen werden können, irrt. Der wahre Grund ist: Selbst wenn das Geld für kostenreiche Kompensationen wie Massagen und guten Wein reicht, bleibt dafür keine Zeit. Wer das gemein findet, dem sei die Lektüre von Analysen zu teuren Kindern nahegelegt. Die Beruhigung erfolgt dort ebenfalls in ökonomischen Kategorien: Das Lächeln eines Babys, dies nur zur Sicherheit, wiegt kein Geld der Welt auf.

© SZ vom 13.06.2020

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