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Zwischen den Zahlen:Bildschirmferien

Sie suchen Ihr Kind? In den Sommerferien weiß man nicht immer, wo sich der Nachwuchs gerade aufhält. Fußballspielen im Hof? Eis essen bei den Nachbarn? Ein Tipp: Schauen Sie doch mal im Apple- oder Samsung-Store nach. Oder bei Vodafone.

Ein Mittwochnachmittag in München. Im T-Mobile-Store in der Innenstadt starren zwei etwa zwölfjährige Jungs hochkonzentriert auf zwei iPhones und versuchen kleine Männchen durch eine bunte Abenteuerwelt zu navigieren. Im Vodafone-Store nebenan strolcht ein nicht viel jüngerer Technikinteressent von Handy zu Handy und kontrolliert systematisch, welche Spiele darauf installiert sind. Im Apple-Store um die Ecke spielen zwei Jungs parallel dasselbe Raserspiel auf zwei Ausstellungs-Smartphones, ein etwa 14-Jähriger zeichnet auf einem Tablet mit viel Detailliebe ein Auge und eine ungefähr Neunjährige startet gerade ein Einhorn-Spiel, nachdem sie alle Bilder, die andere Kunden mit dem Tablet gemacht haben, interessiert durchgesehen hat. Eltern? Fehlanzeige.

Es sind Ferien. Und wer dieser Tage sein Kind sucht, der findet es wahrscheinlich nicht bei den Nachbarn, nicht im Hof beim Basketballspielen und wohl auch nicht am Fluss beim Staudammbauen. Er findet es mit hoher Wahrscheinlichkeit in irgendeinem Laden mit coolen neuen Geräten. Bällebad war gestern, Handy-Shop heißt das Kinderparadies von heute. Statt aus einer wackeligen Plastikröhre in ein Becken voll elektrostatisch mit Staub bepelzten Plastikkugeln zu tauchen, stehen die Kinder nun bei Neonlicht mit geneigten Nacken über den neuesten Gadgets, die sonst unerreichbar für sie sind. Schließlich haben Mama und Papa gesagt, Handy darf man erst mit vierzehn. Oder man hat schon eins, aber das ist das ausrangierte der Eltern, und das kann echt mal gar nix.

Außerdem kann man mit fremden Geräten tolle Sachen machen: die Sprache auf Arabisch umstellen, Fotos von nichtsahnenden Kunden schießen und sich über das Ergebnis ebenso schlapplachen wie über das, was man kichernd als Sprachmemo aufgenommen hat (haha, Pups!). Und vor allem: auschecken, was die neuen Dinger so können. Abgesehen davon, dass die Verkäufer mit echten Kunden beschäftigt sind, ist das wohl auch der Grund, warum sie nichts sagen und sich ihre Hoffentlich-machen-die-nichts-kaputt-Blicke sparen, wenn die Kids mit Chipskrümelfingern über die Bildschirme schmieren und den mit Selfie-Sticks und echten Kaufabsichten bepackten Touristen im Weg stehen. Schließlich sind die kleinen Fans von heute die großen Käufer von morgen.

Es ist sozusagen eine Win-win-win-Situation: Die Läden haben ihre Besucher, die Kinder ihren Spaß und die Eltern ihre Ruhe. Letztere haben aber vor allem eins: ihr Handy für sich.