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Zwangsarbeit bei Technologiezulieferer:Foxconn räumt Ausbeutung von Studenten ein

Im "Praktikum" stundenlang Spielekonsolen zusammenschrauben: Der taiwanische Technologiekonzern Foxconn hat zugegeben, in einem Werk in China Studenten zur Arbeit gezwungen und sie bedroht zu haben. Die angehenden Informatiker mussten für Kunden wie Apple, Sony und Nokia sogar nachts am Fließband stehen.

Der taiwanische Technologiezulieferer Foxconn, der unter anderem für Apple, Sony und Nokia produziert, hat Arbeitsrechtsverletzungen in einem Werk in China eingeräumt. Eine interne Untersuchung im Werk Yantai habe ergeben, dass die Unternehmensregeln zu Überstunden und Nachtarbeit in Einzelfällen nicht eingehalten worden seien, teilte Foxconn in einem Schreiben mit. In demselben Werk war es erst Ende September zu einer Massenschlägerei gekommen, bei denen Menschen ums Leben gekommen sein sollen.

Mehrere chinesische Zeitungen hatten berichtet, dass Informatikstudenten der Universität Xian im Zentrum des Landes gezwungen würden, bei Foxconn zu arbeiten. Anderenfalls bekämen sie keinen Abschluss. Die Oriental Morning Post zitierte Studenten, die bis zu elf Stunden am Fließband Spielekonsolen für Sony zusammenbauen mussten - statt eine aufs Studium bezogene Arbeit zugewiesen zu bekommen. Dem Bericht zufolge wurden einige Studenten daran gehindert, ihr "Praktikum" bei Foxconn vorzeitig zu beenden. Ihnen sei mit dem Entzug des Stipendiums und einem Uni-Rausschmuss ohne Abschluss gedroht worden.

Foxconn erklärte nun, das Unternehmen sorge dafür, dass die Regeln ab sofort eingehalten würden. Überstunden und Nachtarbeit für Studenten seien nicht erlaubt. Studenten dürften ihr Praktikum im Betrieb auch von sich aus beenden.

Einem Bericht der Financial Times zufolge entsandte Apple in der Vergangenheit unabhängige Inspektoren der Fair Labor Association (FLA) in einige Foxconn-Fabriken. Dem FLA-Bericht zufolge verpflichtete sich Foxconn daraufhin unter anderem dazu, die Aufgaben ihrer Praktikanten inhaltlich dem Studienlehrplan anzupassen.

Foxconn, Markenname des Konzerns Hon Hai Precision Industry, ist der größte Technologiezulieferer der Welt. Die Werke stehen vor allem in China. Dort beschäftigt der taiwanische Konzern mehr als eine Million Menschen.

Er steht seit Jahren wegen Arbeitsrechtsverletzungen in der Kritik. 2010 nahmen sich in China mindestens 13 Foxconn-Arbeiter das Leben, nach Angaben von Arbeitsrechtlern wegen der harten Arbeitsbedingungen. Foxconn wies die Anschuldigungen zurück. Die Löhne wurden anschließend jedoch um durchschnittlich fast 70 Prozent angehoben.

Apple hat die Produktion bei Foxconn inzwischen eingeschränkt. Zuletzt hatte die Organisation China Labour Watch Missstände bei Foxconn, aber auch bei anderen chinesischen Zulieferern enthüllt.

© Süddeutsche.de/AFP/kat/jasch/liv
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