Zuwanderung:Elf Zahlen, die zeigen, was Flüchtlinge bringen

  • Ohne Zuwanderung würden Deutschland nicht nur Arbeitskräfte fehlen, sondern auch Geld in den Sozialkassen.
  • Noch immer ist es für Asylbewerber allerdings relativ schwer, einen Job zu finden.

Von Pia Ratzesberger

Zuwanderung: Was Flüchtlinge bringen

Was Flüchtlinge bringen

(Foto: SZ.de)

Menschen - um diese Zahl würde sich das Arbeitskräfteangebot schon in den nächsten zehn Jahren verringern, wenn es keine Zuwanderung gäbe. Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in einer Prognose geschätzt. Denn Deutschland altert - und damit sinkt die Zahl der Erwerbsfähigen. Betriebe hätten dann weniger Auswahl bei der Stellenbesetzung, womöglich sogar gar keine. Das drückt im schlechtesten Fall die Produktivität der Unternehmen und damit auch das Wirtschaftswachstum.

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Euro, so viel Taschengeld erhält ein erwachsener Asylbewerber im Monat. Am Tag sind das nicht einmal fünf Euro. Damit kann er sich kaufen, was er abseits von Essen, Kleidung und Hygieneartikeln braucht - diese Dinge werden dem Gesetz nach in den Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften bereitgestellt. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren liegt der Satz etwas niedriger, sie bekommen zwischen 82 und 90 Euro, das heißt etwa drei Euro täglich. Wenn jemand nicht in einem Flüchtlingsheim wohnt, gibt es mehr Geld: Für Erwachsene sind es monatlich dann 212 Euro, für alle unter 18 Jahren zwischen 130 und 194 Euro. Diese Summe muss allerdings auch für alles reichen: nicht nur für warme Mahlzeiten, sondern auch für warme Kleidung, für Duschgel, Kochtöpfe und Bettlaken.

Zuwanderung: Was Flüchtlinge bringen

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Menschen haben in Deutschland im vergangenen Jahr Asyl beantragt. In diesem Jahr allerdings sind bereits bis Juli fast 200 000 Anträge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eingegangen, bis Dezember rechnet man sogar mit etwa 800 000 Asylbewerbern. Das wäre mit großem Abstand die höchste Zahl, die es je gab.

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Monate dauert es derzeit im Durchschnitt, bis deutsche Behörden über ein Asylgesuch entschieden haben; der Beschluss kommt also ungefähr zwei Monate schneller als früher. Die vielen neuen Stellen, die beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geschaffen wurden, haben in dieser Hinsicht ein wenig geholfen - doch reichen auch sie noch lange nicht aus. Die Zahl der Anträge, die am Ende des Jahres nicht erledigt sind, hat sich innerhalb von nur sechs Jahren fast verzehnfacht: In den letzten Tagen von 2014 waren noch immer 170 000 Anträge unbearbeitet. Im ersten Halbjahr 2015 waren es bereits mehr als 230 000.

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Euro. Um diesen Betrag haben die in Deutschland lebenden Ausländer die Sozialkassen innerhalb eines Jahres entlastet, berechnete das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung vor einigen Monaten. Jeder Ausländer - also alle Menschen ohne deutschen Pass - zahlte demnach 3300 Euro mehr an Steuern und Sozialabgaben als er an Leistungen vom Staat erhielt. Wenn nun jährlich mindestens 20 000 Zuwanderer in die Bundesrepublik kämen und nur 30 Prozent von ihnen hoch und 50 Prozent mittel qualifiziert wären, könnte das jeden deutschen Steuerzahler der Studie zufolge um mehr als 400 Euro im Jahr entlasten.

Nehmen Asylbewerber Deutschen Arbeitsplätze weg?

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Ausbildungsstellen waren in Deutschland zuletzt unbesetzt. Kein Wunder, dass hochrangige Vertreter aus der Wirtschaft immer wieder fordern, dass Flüchtlingen der Zugang zu einer Ausbildung erleichtert werden soll. Im Jahr 2013 waren gerade einmal 179 Asylbewerber im Alter zwischen 15 und 21 voll erwerbstätig - von insgesamt mehr als 26 000 im Land.

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Prozent aller Asylbewerber klagen gegen die Entscheidung über ihr Asylgesuch. Wenn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge festgelegt hat, ob der Flüchtling im Land bleiben darf und mit welchem Status, steht es diesem frei, dagegen Rechtsmittel einzulegen. Besonders häufig machen dies Menschen Kosovo, Mazedonien und Somalia.

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Prozent aller Syrer, die bisher in diesem Jahr nach Deutschland geflohen sind, haben Schutz erhalten. Weil in Syrien seit Langem ein Bürgerkrieg wütet, geht das Asylverfahren schneller als bei anderen Herkunftsstaaten: Es gibt kein persönliches Anhörungsgespräch zwischen Bewerber und Entscheider - und Syrer haben aufgrund der Lage im Heimatland ziemlich hohe Chancen, dass sie bleiben dürfen. Die meisten von ihnen haben zudem eine gute Schulbildung, viele eine Universität besucht.

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Prozent aller Asylbewerber arbeiten in Vollzeit. Ein wenig mehr haben einen Teilzeitjob, im Jahr 2013, dem jüngsten Berichtsjahr des Statistischen Bundesamts, waren es etwa 1,5 Prozent. Dass so wenige Asylbewerber arbeiten, liegt an den hohen Hürden, die sie auf dem Weg bis zu einer Stelle nehmen müssen. Flüchtlinge, über deren Asylgesuch noch entschieden wird oder die momentan nur in Deutschland geduldet sind, dürfen erst einmal nicht arbeiten. Nach drei Monaten im Land können sie sich auf Jobsuche begeben, die örtliche Ausländerbehörde sowie die Arbeitsagentur müssen der Beschäftigung allerdings zustimmen. Letztere prüft dann, ob für die Stelle auch ein deutscher Kandidat oder ein anderer EU-Bürger infrage käme. Falls ja, war's das. Dass ein Asylant einem Deutschen den Arbeitsplatz wegnimmt, wie man an so manchem Stammtisch immer wieder hört, ist also faktisch erst einmal überhaupt nicht möglich. Die Vorrangprüfung entfällt erst nach 15 Monaten.

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Woche lang hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im August auf Facebook Anzeigen geschaltet, um Menschen im Westbalkan abzuschrecken. Nutzern aus Albanien und Serbien wurde auf der Facebook-Seite des Amtes ein Beitrag angezeigt, in dem noch einmal betont wurde, dass es "fast keine Aussicht auf Asyl in Deutschland" gebe - was zwischen den Zeilen so viel bedeutet wie: "Versucht es erst gar nicht!" Die Ablehnungsquote der Anträge aus den Ländern Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Albanien, Mazedonien und Montenegro liegt bei mehr als 99 Prozent; die deutsche Botschaft in Tirana hatte vor Kurzem Anzeigen in sechs Zeitungen des Landes geschaltet, in denen sie vor "Lügen über Asylgewährung" warnte.

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Euro. So viel haben die Bundesländer im Jahr 2013 insgesamt für die Leistungen an Asylbewerber ausgegeben. Den größten absoluten Anteil hatte dabei Nordrhein-Westfalen inne, danach folgte Bayern. Zum Vergleich: Anfang der 90er-Jahre, als viele Menschen vom Balkan nach Deutschland strömten, war der Betrag mit 2,8 Milliarden Euro noch fast doppelt so hoch. Auch wenn die Asylbewerberzahlen und damit die Ausgaben in diesem Jahr wieder auf ein ähnliches oder sogar noch höheres Niveau zurückkehren könnten: Im Vergleich zu anderen Bereichen des Bundeshaushalts wirken die Ausgaben für Asylbewerber relativ gering: Das Arbeitslosengeld II zum Beispiel kostet den Staat mehr als das Zwölffache.

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