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Zuschlag für Hanwha-Gruppe:Koreanischer Allesfresser schluckt insolvente Solarfirma Q-Cells

Das Bitterfelder Solarunternehmen Q-Cells ist gerettet, wenn auch in verkleinerter Form. Die südkoreanische Hanwha-Gruppe erhält den Zuschlag. Ihr gehören schon Chemiefirmen, Finanzfirmen - und ein Baseballklub. Pikant: Q-Cells war ausgerechnet wegen der Billig-Konkurrenz aus asiatischen Staaten in Insolvenz gegangen.

In Sachsen-Anhalt wird künftig ein bisschen mehr koreanisch gesprochen: Der insolvente Solarkonzern Q-Cells geht an den Mischkonzern Hanwha aus Südkorea. Die Gläubiger schlugen das Angebot des spanischen Wettbewerbers Isofoton aus und erteilten Hanwha nach mehrstündigen Beratungen in Dessau den Zuschlag, sagte eine Q-Cells-Sprecherin.

Hanwha ist eines der größten Jaebeol, der Riesen-Konglomerate in dem asiatischen Land. Die Gruppe entwickelte sich aus einem Hersteller von Explosionsstoffen. Heute besitzt sie unter anderem Hotels, Einkaufszentren, Chemie- und Finanzunternehmen - und einen Baseball-Klub, die Hanwha Eagles.

Hanwha und Insolvenzverwalter Henning Schorisch hatten bereits am Wochenende einen Kaufvertrag unterzeichnet, der die Übernahme des Standortes im ostdeutschen Bitterfeld und des Werks in Malaysia sowie den Erhalt von drei Viertel der 1550 Arbeitsplätze vorsieht. Neben der Übernahme von Verbindlichkeiten der malayischen Tochter von knapp 220 Millionen Euro will Hanwha zudem 40 Millionen Euro in bar zahlen. Die Anleihe-Gläubiger will der Konzern allerdings nicht bedienen.

Auch die Aktionäre werden leer ausgehen, sagte Insolvenzverwalter Schorisch. Q-Cells hatte im April Insolvenz angemeldet, nachdem das Eigenkapital aufgezehrt war und eine fällige Anleihe über etwa 200 Millionen Euro nicht bedient werden konnte.

Die deutsche Solarbranche erlebte in den vergangenen Monaten eine massive Pleitewelle wegen der billigen Konkurrenz aus Asien. Q-Cells hatte vor der Insolvenz Anfang April noch weltweit etwa 2200 Arbeitsplätze, deren Zahl sich aber durch den Verkauf von Unternehmensteilen und durch das Ausscheiden von Mitarbeitern bereits deutlich verringert hat.