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Zurückgenommener Insolvenzantrag:Volte bei Burger King

Burger-King-Restaurants bleiben geschlossen

Burger-King-Restaurants: Szene aus München

(Foto: dpa)
  • Der Franchisenehmer von 89 deutschen Burger-King-Filialen nimmt den Insolvenzantrag zurück.
  • Der russische Geschäftsmann Alexander Kolobov durchkreuzt damit die Pläne der US-Zentrale von Burger King.

Von Max Hägler

Franchisenehmer zieht Insolvenzantrag zurück

Der Burger-King-Franchisenehmer Alexander Kolobov nimmt nun doch wieder selbst die Geschäfte in die Hand: Er möchte seine 89 Filialen selbst weiter führen und sie offenbar nicht verkaufen lassen, wie von Burger King gewünscht.

Damit wird die Geschichte von Burger King noch komplizierter: Nach einem Skandal um Arbeitsbedingungen und Hygiene-Missstände hatte Burger King dem Franchisenehmer Kolobov die Lizenz entzogen und die Belieferung mit Waren eingestellt. Daraufhin mussten Ende 2014 die Schnellrestaurants mit ihren 3000 Mitarbeitern schließen - was bald zur Insolvenz führte.

Kolobov durchkreuzt Pläne von Burger King

Die Manager des US-Konzerns hatten gedacht, den russischen Geschäftsmann schnell ersetzen zu können. Sie wollten einen Neustart mit neuen Eigentümern einleiten. Damit die Marke bis zum angestrebten Wechsel nicht an Wert verliert, hatte Burger King dem Insolvenzverwalter das Recht zur Markennutzung eingeräumt. Die Läden hatten daraufhin zunächst wieder geöffnet.

Branchenbeobachter hatten damit gerechnet, dass der Verwalter bald den Verkauf an einen neuen Investor vermeldet. Doch dem Franchisenehmer Kolobov scheint diese Taktik nicht gepasst zu haben; er fühlte sich wohl übergangen. Nun hat er - zur Überraschung der Burger-King-Zentrale - den Insolvenzantrag zurückgezogen und zugleich 15 Millionen Euro bereitgestellt, um Gläubiger zu befriedigen.

Völlig unklar ist nun, wie es weitergeht. Eigentlich darf Kolobov die Marke "Burger King" weiter nicht nutzen. Er dürfte darauf spekulieren, dass der Konzern die Läden nicht noch einmal schließen lässt, weil dies die Kunden vollends verwirren würde. Liefen die Geschäfte dann trotz allen Ärgers weiter, könnten sich Kolobov und Burger King mittelfristig einigen, zumal der russische Investor die Geschäfte tatsächlich weit ordentlicher zu betreiben scheint als sein ehemaliger, geschasster Kompagnon Ergün Yildiz.

Franchisenehmer hat mehrere Optionen

Eine weitere Möglichkeit: Kolobov verkauft die 89 Filialen - zu eigenen Konditionen, mit vielleicht ordentlichem Gewinn. Jedenfalls scheint ihm daran gelegen, seinen Namen in das rechte Licht zu rücken. In der Mitteilung zu dieser neuen Wendung schreibt Kolobov über sich selbst, dass er "einer der größten Restaurantbetreiber Europas" sei und über einen Zeitraum "von gerade einmal zehn Jahren" viel erreicht habe: mit insgesamt mehr als 600 Coffeeshops habe er etwa eine der größten Kaffeehaus-Ketten in Russland gegründet. Und in den vergangenen fünf Jahren über 250 Burger King Filialen in Russland eröffnet.

Er stilisiert sich als Macher, der in Deutschland nicht klein beigeben will. Zudem hat er sich weitere Berater an Bord geholt. "Restrukturierungsexperten" der Kanzlei Fritz Nols sollen mithelfen, ein schlagkräftiges Management-Team für die Gesellschaft aufzubauen und dafür Sorge zu tragen, dass die höchsten Standards für den Restaurantbetrieb dauerhaft umgesetzt werden. "In enger Zusammenarbeit mit dem Franchisegeber Burger King Europe", heißt es. Ob der Konzern da allerdings mitmacht, ist noch unklar.

© Süddeutsche.de/jasch
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