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Lebensversicherung:Zurich verliert den Spaß

Der Schweizer Versicherungskonzern erwägt den Verkauf seines deutschen Lebensversicherers.

Von Herbert Fromme, Köln

Die Schweizer Versicherungsgruppe Zurich prüft laut SZ-Informationen den Verkauf ihres deutschen Lebensversicherers Zurich Deutscher Herold. In Branchenkreisen heißt es, die Zurich konzentriere sich immer mehr auf die Sachversicherung, besonders das Industrie- und Gewerbegeschäft. Für die Zurich Deutscher Herold müsse die Gruppe sehr viel Kapital vorhalten, der Ertrag und die Zukunftsaussichten seien aber mäßig.

Deshalb erwägt die Konzernspitze unter Mario Greco die externe Abwicklung durch einen Spezialisten - im Branchenjargon Run-off. Der Käufer würde die Gesellschaft dann für das Neugeschäft stilllegen. Die Zurich wollte dazu nicht Stellung nehmen. "Wir kommentieren Gerüchte nicht", sagte ein Sprecher.

Der 1922 gegründete Lebensversicherer hat aktuell 2,9 Millionen Verträge mit 47 Milliarden Euro Rückstellungen im Bestand. Er erzielte 2020 Beitragseinnahmen von 3,2 Milliarden Euro, ein Rückgang von 10,2 Prozent. Die Gesellschaft gehört zu den acht größten Lebensversicherern im Land. Sie verkauft unter anderem über die Schalter der Deutschen Bank, zu der sie von 1992 bis 2001 gehörte, und über den Vertrieb Bonnfinanz, der einst Teil der Zurich war und seit 2019 von Blackfin Capital kontrolliert wird.

Der Verkauf an einen externen Abwickler wäre die größte derartige Transaktion nach der Stilllegung der Generali Lebensversicherung in München im Jahr 2019. Ihr italienischer Mutterkonzern verkaufte die Gesellschaft mit 4,2 Millionen Verträgen damals an den Spezialisten Viridium. Inzwischen heißt der Lebensversicherer Proxalto. Schon 2016 hatte die Düsseldorfer Arag ihren Lebensversicherer an die Frankfurter Leben verkauft. Ebenfalls aktiv in diesem Markt ist die Athora-Gruppe.

Die Abwickler gehören alle Finanzinvestoren: Bei Viridium ist die britische Cinven Mehrheitseigner, beteiligt sind Hannover Rück und Generali. Die Frankfurter Leben gehört dem chinesischen Investor Fosun.

In Deutschland sind Run-offs bei Verbraucherschützern unpopulär. Sie glauben, dass Verkauf und Stilllegung langfristig den Kunden schaden. Die Abwickler argumentieren, sie könnten durch die Zusammenlegung vieler Bestände Kosten einsparen. Außerdem prüfe die Finanzaufsicht Bafin solche Deals und sorge dafür, dass Kundeninteressen gewahrt blieben.

© SZ
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